Katar, ISIS, Hamas: Die Einsicht im Westen setzt sich langsam durch…

Ben Jennings in Guardian, London: wenn Bilder sprechen / Shlomo Cohen: Hamas kommt in die Bredouille / Mirror: dieser Brite wird noch gefasst / Times: aktuelle Galerie von britischen Jihadisten / Adams in Telegraph: noch ist der Westen unsicher und tappt im Dunkeln



Die Ermordung des US-Journalisten James Foley durch einen britischen Jihadisten hat die öffentliche Meinung im Westen erschüttert. Der von ISIS Kämpfern ins Netz gestellte Film von der Enthauptung bewirkte nicht nur eine moralische Verachtung für die islamistischen Gotteskrieger, sondern auch eine nun weitverbreitete Forderung, im Irak und vielleicht auch in Syrien militärisch einzugreifen. Die Amerikaner sind bereits dabei, wenn auch vorläufig "nur" mit Luftschlägen. Die Franzosen und die Briten sprechen offen über die Möglichkeiten, eigene Truppen einzusetzen. Die Deutschen sind zunehmend bereit, Waffen an die Gegner der ISIS zu liefern. Selbst der Papst rechtfertigt die Gewaltanwendung gegen die Islamisten.



Die Briten sind ganz besonders empört, da offenbar ein Bürger ihres Landes - "Jihadi John" - im perfekten Londoner Akzent die brutale Hinrichtung ankündigte und dann auch vor der Kamera eigenhändig vollzog. Jetzt wird fieberhaft versucht, den Mann zu identifizieren und gegen ihn einen Haftbefehl zu erwirken. Die Chancen stehen nicht schlecht, wie in diesem Bericht erläutert wird. Ein möglicher Bekannter von "Jihadi John" wurde bereits festgenommen. Gegen weitere Personen wird ermittelt. Premier John Cameron hat seinen Urlaub unterbrochen, um mit seinem Sicherheitskabinett, COBRA genannt, über die Ereignisse zu beraten. Widerwillig doch bestimmt sieht sich Großbritanninen gezwungen, in nicht allzuferner Zukunft in den Kampf zu ziehen. Es geht nicht nur um Bagdad. Es geht nun auch um das eigene Territorium.

Beratungsbedarf gibt es in London allemal. Hunderte, wenn nicht tausende britische Islamisten beteiligen sich aktiv an den Aktionen der ISIS und anderen militanten Organisationen, die neben den schiitischen Intimfeinden im Irak und Syrien auch die "Ungläubigen" bekämpfen - also Christen, Juden und Angehörige anderer Religionen. Auch viele US-Bürger, Franzosen, Deutsche, Spanier und Vertreter von weiteren europäischen Ländern sind dabei. Gemeinsam haben sie das Ziel, die Sharia nicht nur im Orient anzuwenden, sondern im Sinne des islamischen Rechts den Nicht-Muslimen im Westen die Dhimma Vorschriften aufzuzwingen. Das ist das Gebot ihrer religiösen Überzeugung. Aus ihrer Sicht gesehen handelt es sich um einen Glaubenskampf, bei dem es keinen Raum für Kompromisse gibt - weder in London noch in Paris noch in Berlin noch in Jerusalem.

Im Westen war bisher die Versuchung groß, das Problem des militanten Islamismus unter den Teppich zu kehren bzw. durch den Verweis auf den Sündenbock Israel abzuschütteln. Damit ist nun Schluß. In Washington, in London, in Paris und in Berlin sieht man jetzt die Realität viel klarer als noch vor wenigen Tagen. Die Enthauptung wirkte wie ein Scheibenwischer. Der mutige deutsche Minister Gerd Müller wurde weltweit mit der Aussage zitiert, dass wohl bemerkt Katar weitgehend das Kalifat ISIS finanziert (wie übrigens ganz offen auch das Kalifat, das Hamas von Gaza aus zu etablieren versucht). Die Einstellung dieser katarischen Finanzierung kann der Westen relativ leicht bewirken - und zwar ohne riskante und gefährliche Militäreinsätze gegen ISIS. Solche Einsätze sollte man den moderaten Arabern überlassen. Sie sind besser als jeder westliche Soldat in der Lage, ihre muslimischen Glaubensgenossen zu disziplinieren - notfalls auch auf dem Schlachtfeld.

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