Hilfskonvoi für die Ukraine entlarvt Hilflosigkeit; die Konfrontation Russland-USA nimmt wieder Fahrt auf

BBC: was ist bloß drin? / Tyunin in Presseeurop: Kosovo vs Ukraine / Shreya Navare: Peaceful Europe ade / Elkin in Moscow Times: Sanktionen? So what? / Moscow Times: kann man noch Ost & West zusammenbringen?



Was befindet sich in den russischen Lastwagen, die in Richtung ukrainische Grenze rollen? Diese Frage beschäftigt Politiker, Experten, Militärfachleute, Hilfsorganisationen - und natürlich die vielen Menschen, die in den umkämpften Gebieten auf Nahrungsmittel und Medikamente warten. All das passiert vor dem Hintergrund der humanitären Tragödie, die sich in dem östlichen Teil der Ukraine seit Monaten abspielt. Weit über 2000 Personen wurden bereits getötet. Die Kämpfe gehen unvermindert weiter. Zehntausende wurden verletzt, viele von ihnen schwer.



Nun sollen internationale Beobachter die Güter in den russischen Lastwagen kontrollieren. Was sie dabei materiell finden steht noch nicht fest. Doch ansonsten kann ich Ihnen über die Ladung einiges verraten. Sie liefert den Beweis für folgende Gegebenheiten.

Erstens: Der kalte Krieg zwischen Ost und West ist wieder da. Das gegenseitige Misstrauen ist fast so groß wie zu schlimmsten Zeiten vor dem Fall der Berliner Mauer. Russen und Amerikaner trauen sich gar nicht mehr. Sie positionieren sich als Rivalen oder gar Feinde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in dieser oder in der nächsten Krise Ost und West aufeinander schießen.

Zweitens: Russland steigt wieder zur Großmacht auf. Die scheinbar einzige Supermacht USA muss hinnehmen, dass sie nicht allein die Spielregeln bestimmt. Moskau ist zwar an vielen Stellen schwach und modernisierungsbedürftig. Doch es hat enorme Reserven, die mittelfristig mobilisiert werden können. Militärisch gesehen kann Russland sowieso mit America gleichziehen.

Drittens: Der Kampf um Einfluss der Weltmächte in Europa nimmt wieder Fahrt auf. Vorbei ist die Illusion, dass dieser Wettbewerb mit der Auflösung der Sowjetunion praktisch vom Tisch war. Russland hat die Teilung Jugoslawiens zähneknirschend noch geschluckt, obwohl es die Unabhängigkeit des Kosovo als völkerrechtswidrig bewertete. Nun ist Moskau willig und bereit, für seine Interessen sogar in den Krieg zu ziehen.

Viertens: Russland versucht zur Zeit verstärkt, seinen Einfluss im arabischen Raum zu erweitern. Das gelingt auch weitgehend. Die USA macht einen enormen Fehler, indem sie sich von Katar und der Türkei vorschreiben lässt, wie es nun weitergeht - nämlich im Sinne der islamistischen Muslim Brotherhood. Saudi Arabien ist völlig irritiert. Ägypten wendet sich von Washington ab und verstärkt seine militärische Kooperation mit Russland (das nun auch Agrarprodukte vom Nil bezieht, um den Wegfall von Lebensmitteln durch europäische Sanktionen auszugleichen).

Es bleibt zu hoffen, dass die Ladung des Hilfskonvoys die Bedürftigen in der Ostukraine erreicht. Dann kommt die Fortsetzung der oben geschilderten Rivalitäten. Zunächst auf europäischem Boden, wo der Krieg weiterhin tobt. Doch leider auch im Orient, wo Russland systematisch und ziemlich erfolgreich versucht, den westlichen Einfluss einzuschränken.

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