Katar und die Türkei beiseite geschoben; im Gaza Konflikt nimmt Ägypten wieder die Zügel in die Hand

Arabische Zeichnung: USA holt katarische Vorschläge ein, die blutig enden / Amos Biderman in Ha'aretz: Obama versucht, Zerstörung von Tunnel zu stoppen / Shlomo Cohen: ...wird aber überhört, da Raketen einschlagen / Kerry versucht, mit Geschenken aus Katar zu locken



Katar und die Türkei bemühen sich weiterhin das Waffenarsenal der Hamas zu retten und ihre Infrastuktur von tödlichen Terrortunneln intakt zu halten. Das ist verständlich aus der Sicht dieser beiden Staaten, deren jetzige politische Führungsriegen von radikalen Islamisten beherrscht werden. Katar und die Türkei werden weiterhin versuchen, mit Versprechungen über eine angebliche "Verbesserung der humanitären Lage" zu locken. Doch die USA und die EU, die in den letzten Tagen schon mal in diese Falle geraten sind, dürfen nicht wieder auf den Trick "katarische Feuerpause" hereinfallen. Ziel dieser angeblichen "Waffenruhe" ist nur, die Hamas wieder zu stärken. Die Zeche würde dann wieder die Bevölkerung in Gaza zahlen, die weiterhin massiv als menschlicher Schutzschild für Hamas Raketen missbraucht wird.



Notwendig ist ein Waffenstillstand, der die weitere, komplette Zerstörung der Terrortunnel ermöglicht und eine Vereinbarung zur Demilitarisierung von Gaza enthält. Ein solcher Waffenstillstand wurde schon längst von Ägypten vorgeschlagen - jedoch durch den Einfluss von Katar und der Türkei torpediert. Nun gilt es, den ägyptischen Ansatz zu akzeptieren und anzuwenden. Das geht am Besten geräuschlos. Vor allem - ohne übertriebenen Aktionismus durch westliche Aussenminister, die - völlig an den Realitäten im Nahen Osten vorbei - die abenteuerlichen, katarisch-türkischen Zukunftspläne für die Region schmieden wollten.

Viele werden bestimmt fragen: warum sollte die Hamas einen Waffenstillstand akzeptieren, bei der sie praktisch gezwungen wird, ihre militärischen Mittel aufzugeben? Die Antwort auf diese Frage wird in diesen Stunden und Tagen sowohl auf dem Terrain als auch unterirdisch gegeben. Auf ägyptischer Seite vom Gazastreifen sowie in weiten Teilen des Sinai wird die Infrastruktur der Terroristen nach und nach eliminiert. Auf israelischer Seite vom Gazastreifen sind Streitkräfte von Tzahal dabei, die tödlichen Tunnel zu entdecken und in die Luft zu sprengen. Gleichzeitig verringert sich allmählich das Raketenarsenal der Hamas durch gezielte Treffer auf Depos oder Werkstätten der Terrororganisation.

Jedes Waffenarsenal ist letztlich nur wirksam, wenn es ständig instandgesetzt und erneuert wird. Ägypten und Israel können gemeinsam dafür sorgen, dass das Waffenarsenal der Hamas binnen relativ kurzer Zeit nicht mehr effizient eingesetzt werden kann. Hierfür müssen sie schlicht und einfach dafür sorgen, dass keine iranischen bzw. nordkoreanischen Waffensysteme nach Gaza gelangen. Cairo und Jerusalem scheinen nun entschlossen zu sein, diese Aufgabe gemeinsam zu meistern. Von der internationalen Gemeinschaft wird lediglich erwartet, dass sie die noch übrigebliebenen Waffen in Gaza durch diplomatische Mittel neutralisiert. Entwaffnung und Demilitarisierug sind das Gebot der Stunde. Das wäre ein vernünftiges, realistisches politisches Ziel für die USA und die EU.

Aus der aktuellen Runde in Gaza dürfen die Islamisten nicht als Sieger hervorgehen. Das wäre ein Todesstoß für die Bemühungen, wenigstens einen Teil der Region zu beruhigen und zu stabilisieren. In den Vordergrund rücken immer stärker Ägypten und Jordanien, die eine Schlüsselrolle übernehmen können und wohl auch müssen. Cairo wird weiterhin gegen den militanten Islamismus im Sinai, in Gaza sowie am Nil kämpfen müssen. Amman kann sich vor ISIS sowie vor Islamisten im eigenen Land am wirksamsten durch Zusammenarbeit mit Israel schützen. Dabei wird Jordanien sicherlich stärker als bisher seine palästinensische Identität betonen. Das wäre Ausdruck der Tatsache, dass sich Jordanien geografisch auf 80 Prozent von Palästina erstreckt und 80 Prozent seiner Bevölkerung Palästinenser sind.

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