Die unterirdische Stadt Gaza: Beseitigung der Tunnel und Raketen allein reicht nicht aus

Shlomo Cohen: Unterground Gaza / Haredim: Hamas versteckt sich hinter Kindern / Times of Israel: Singen im Schutzraum / Ronny Gordon: Erdogan & Hamas



Es ist nicht das erste Mal, dass Israel in Gaza intervenieren muss, um den Beschuss seiner Städte und Dörfer durch die Hamas zu beenden. Bereits zweimal haben die israelischen Streitkräfte große Teile des Waffenarsenals zerstört, das gegen den jüdischen Staat gerichtet ist. Klar ist allerdings, dass bei diesen Interventionen etwas Wesentliches versäumt wurde. Das Versäumnis ist die fehlende Einführung einer politischen Ordnung, die eine komplette Einstellung des Raketenterrors sicherstellen würde.



Wird es diesmal anders? Das ist eine Schlüsselfrage, die nicht nur in Jerusalem sondern in mehreren Hauptstädten in der Region gestellt wird - vor allem in Cairo. Israel und Ägypten entdecken in diesen Tagen ihr gemeinsames Interesse, Gaza von Raketen dauerhaft zu befreien - und eben nicht nur für einige Monate oder wenige Jahre. Für beide Länder ist es nun klar, dass der Zerstörung des tödlichen Hamas-Arsenals eine Regelung folgen muss, die den Import oder den Bau von neuen Raketen ein für alle mal wirksam verhindert.

Hinzu kommt ein weiteres Element, das bisher weitgehend übersehen bzw. leichtsinnig angegangen wurde. Dieses Element lautet die unterirdische Infrastruktur von Gaza, die mit großem Aufwand aufgebaut wurde und eine akute Gefahr für die Menschen in Israel darstellt. Es handelt sich um ein riesiges System von tausenden Tunneln, die eine Gesamtlänge von über hundert Kilometern haben und praktisch eine Stadt unter Tage darstellen. In diesem System gibt es viele Schutzräume für die Hamas-Führung, große Depos für Waffen, Rampen für Raketenabschuss und Vieles mehr.

Die Gaza-Tunnel kann man in drei Kategorien einteilen:

Die erste Kategorie ist die bisher meist bekannte. Das sind die Tunnel, die an der ägyptischen Grenze zum Gazastreifen gebaut wurden, um Handel zu betreiben sowie Menschen und Munition zu schmuggeln. Bis vor kurzem duldete Ägypten mehr oder weniger diese Tunnel. Vor allem verhinderte Cairo nicht, dass durch die Tunnel - oder auch auf anderen Wegen - sehr viele Waffen über sein Gebiet nach Gaza transportiert wurden.

Die zweite Kategorie ist das System, das dazu dient, die Raketen zu verstecken und abzuschießen. Dieses System befindet sich unter dicht bebauten Stadtgebieten. Sie stellt eine Perfektionierung der verbrecherischen und völkerrechtswidrigen Praxis dar, die Bewohner von Gaza als menschliche Schutzschilde der Terroristen zu missbrauchen. Hierzu gehört auch die militärische Kommandozentrale der Hamas, die sich direkt unter einem Krankenhaus befindet.

Die dritte Kategorie sind die Tunnel, die entlang der Grenze mit Israel gebaut wurden. Diese Tunnel reichen vielfach bis tief in israelisches Gebiet. Ihre Zweckbestimmug ist ganz klar, Infiltrationen nach Israel zu ermöglichen, um dort Menschen zu töten oder zu entführen. Hierfür sind die Terroristen mit Handschellen und mit Betäubungsmitteln ausgestattet. Ihre Aufgabe lautet, Israelis zu überwältigen, zu anästhesieren und dann unterirdisch in die Hamas-Zentrale zu verschleppen.

Gezwungenermaßen führt nun Israel eine militärische Operation sowohl gegen die Raketen als auch gegen die Tunnel durch. Es ist zu hoffen, dass durch diese Aktion die vollständige Beseitigung der Bedrohung erreicht wird. Ein solches Ergebnis streben Jerusalem und Cairo gemeinsam an. Ein solches Ergebnis wäre sicherlich auch im Interesse der arabischen Bevölkerung von Gaza, die dann nicht mehr über einer unterirdischen Terrorzentrale leben müsste.

Doch das allein reicht bei weitem nicht aus. Die Schlüsselfrage war und bleibt: Was kommt danach? Wie kann man gemeinsam verhindern, dass die unterirdische Stadt Gaza für terroristische Zwecke abermals aufgebaut wird und Raketen wieder aufgestellt werden? Die Beantwortung dieser Frage ist schon heute die wichtigste Herausforderung für die Verantwortlichen in der Region. Der Weg kann und muss gefunden werden, die Situation grundlegend zum Guten zu verändern.

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