Sieben Wahrheiten über die Situation in und um Gaza

Al Ahram, Cairo: Morsi & Moslem Brotherhood spielen mit Bomben / Al Nilin: ...auch zum Fest von Ramadan / so sieht Dialog unter Religionen aus / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: Trauer und Terror in Israel



Die aktuelle Runde der Raketenangriffe von Gaza reflektiert den Wunsch der Hamas, internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und eine bitter nötige finanzielle Hilfe zu bekommen. Die Hamas ist kaum noch in der Lage, Gehälter für knapp 50 tausend Angestellte zu zahlen, die sie beschäftigt um ihre Macht zu sichern. Die Organisation hat zunächst versucht, diese finanzielle Verpflichtung der palästinensischen Behörde unter der Führung von Fatah aufzubürden, die ja massive Hilfe aus den USA und Europa bekommt. Diese Strategie blieb aber bisher erfolglos. Nun spekuliert Hamas auf ein neuen Deal: frisches Geld aus dem Westen gegen mögliche Einstellung der Raketenangriffe.



Die militärischen Fähigkeiten der Hamas verbessern sich ständig. Der Organisation ist es gelungen, in den letzten Jahren ihr Arsenal an Raketen zu erweitern und neue, auch relativ ferne Ziele in Israel zu erreichen. Diese Tatsachen widerlegen eindeutig dem häufig von westilichen Medien verbreiteten Mythos, dass der Gazastreifen von Israel "hermetisch abgeriegelt" wäre. In der Tat hat der Gazastreifen eine lange, gemeinsame Grenze mit Ägypten, über die große Mengen an Waffen transportiert werden. Ägypten kontrolliert praktisch diese Transporte und lässt sie zu - wenn auch (manchmal) widerwillig und (manchmal) über Umwege von Tunnels.

Die ägyptische Verantwortung für die Situation und für die eventuelle Beilegung der aktuellen Krise ist nicht nur dadurch bedingt, dass die Waffen über ägyptisches Territorium nach Gaza gelangen. Cairo müsste daran interessiert sein, die chaotische Lage auf der Halbinsel Sinai zu ändern. Auf dieser riesigen Landfläche erwarten ägyptische Investoren verlockende Chancen in mehreren Bereichen - Bodenschätze, Mineralien, Öl, Erdgas und Tourismus in großem Stil. Der dicht bevölkerte Gazastreifen kann eine Schlüsselrolle bei einem Wirtschaftsaufbau spielen, der für alle Menschen in der Region enorme Vorteile bringen würde.

Die politische Zukunft von Gaza ist ohnehin mit Ägypten eng verbunden. Nur Ägypten - das größte arabische Land - kann letztlich für Ruhe, Stabilität und gute Entwicklung in und um Gaza sorgen. Nur Ägypten als der mächtige muslimische Nachbar kann den religiösen Extremistums in Schach halten und die vielen Jihadisten in die Schranken weisen. Ägypten ist wohl daran interessiert, da der militante Islamismus von Gaza bereits auf das Kernland Ägypten überschwappt. Am Nil bekämpft der neue Machthaber Abdel Sisi seit einem Jahr die Moslem Brotherhood. Dabei kann Sisi den Ableger Hamas und die anderen Jihadisten nicht endlos gewähren lassen.

Israel darf Raketenbeschuss auf sein Territorium auf keinen Fall dulden. Doch es muss sich darauf gefasst machen, dass seine Einwirkung auf die politische Situation in Gaza begrenzt bleibt. Die Realität in Gaza wird nämlich durch arabische und muslimische Kräfte bestimmt, die Israel keineswegs kontrollieren kann. Die Umwälzungen in der arabischen Welt sind eben eine arabische Angelegenheit. Nach Lage der Dinge muss man erkennen, dass sie noch mehrere Jahrzehnte andauern und in absehbarer Zeit nicht in Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Frieden münden. Der jüdische Staat wird wie bisher mit diesem Umstand leben müssen.

Allerdings gibt es Möglichkeiten, die Situation erträglicher zu machen und daraus eventuell auch Vorteile zu ziehen. Politisch gesehen muss Israel für Verständis unter seinen Freunden in der internationalen Gemeinschaft sorgen. Das geht nicht immer, doch in vielen Fällen ist es hilfreich. Vor allem Amerikanern, Europäern, Russen und Chinesen muss klar gemacht werden, dass eine bedachte, militärische Antwort auf die Raketenangriffe unverzichtbar ist. Gleichzeitig muss Israel versuchen, moderate arabische Kräfte davon zu überzeugen, dass Paktierung mit Hamas und Unterstützung für diese Organisation große Gefahren für alle Seiten in sich birgt. Diese Doppeltstrategie kann dazu beitragen, den arabisch-israelischen Konflikt etwas zu entschärfen.

Die unmittelbare, notwendige Antwort auf den Raketenterror enthält folgende praktische Schritte.

1. Zerstörung des Waffenarsenals von Hamas sowie die gezielte Bekämpfung der Personen, die für den Raketenbeschuss verantwortlich sind. Dabei ist zu beachten, dass die Raketen häufig von Krankenhäusern oder Kindergärten abgefeuert werden und dass die Rädelsführer des Terrors sich bewusst hinter Frauen und Kinder verstecken.

2. Im Gazastreifen hat Hamas ein dichtes Netz von Tunnels gebaut, in denen sich Waffen aufbewahren lassen und Aktivisten Schutz finden. Darüber hinaus werden diese Tunnels für Infiltrationen ins israelisches Gebiet benutzt um Menschen zu entführen. Es ist möglich und notwendig, dieses System von Tunnels in eine Falle für Hamas-Terroristen zu verwandeln.

3. Israel hat wirksame Abwehrsysteme hergestellt, um seine Bevölkerung zu schützen. Israel hat hochmoderne Geräte zur Lenkung von Präzisionswaffen entwickelt, um Zivilisten unter seinen Gegnern möglichst nicht zu treffen und so weit es geht nur die Gewalttäter zu liquidieren. An diesen Erfindungen soll mit Hochdruck weiter gearbeitet werden.

4. Es gibt keine Streitmacht in der Welt, die so viel Anstrengungen unternimmt wie Israel und so viel wissentschaftliches Knowhow umsetzt um Unbeteiligte auf dem Schlachtfeld zu schonen. Viele HighTech Produkte wurden zu diesem Zweck bereits erfolgreich angewendet. Es bringt übrigens auch viele Vorteile im Zivilbereich und kann eines Tages dazu beitragen, die arabischen Nachbarn an der guten wirtschaftlichen Entwicklung Israels teilhaben zu lassen.

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