Der Feind meines Feindes: können sich der Iran und die USA über ISIS versöhnen?

Yahia Silo in Uskowi on Iran: Maliki & Schiiten fliehen / Anthony Russo in New York Times: kann man den Irak so retten? / Al Alam, Tehran: sunnitische Extremisten im Yemen / ...doch Bagdad noch in schiitischer Hand! / Vox: ISIS heute / Zukunfspläne ISIS / Wikimedia: Flagge ISIS



Der Iran und die USA haben bekanntlich ein äusserst schwieriges Verhältnis zueinander, und das seit mehreren Jahrzehnten. Nun wird es nochmal um einiges komplizierter als bisher. Denn beide Länder haben den neuen, sunnitischen Staat ISIS als einen Feind ausgemacht, den es zu bekämpfen gilt. Der Iran will es tun, um die gegenwärtige Dominanz der schiitischen Kräfte im benachbarten Irak zu sichern. Die USA will es tun (wenn auch zögerlich), um die Einheit des Irak zu gewährleisten und ihre enormen Investitionen in Infrastruktur und Militär zu retten.



Werden nun der Iran und die USA ihre Differenzen beilegen, um die sunnitischen Kämpfer gemeinsam zu beseitigen?

Diese Schlußfolgerung ist verführerisch. Die Regionalmacht Iran und die Weltmacht USA werden wieder dicke Freunde, wie zu alten Zeiten... der Nahe- und Mittlere Osten bekommt eine neue Hoffnung... eine Ordnungsmacht sorgt endlich für Ruhe und Stabilität... Tehran und Washington einigen sich auf gemeinsame Interessen und schmieden eine mächtige Allianz... die Atomanlagen des Iran zu militärischen Zwecken werden irgendwie doch geduldet...

Sicherlich gibt es im Kreis der Berater von US-Präsident Barack Obama einige Experten, die solche Gedankenspiele durchexerzieren. Zweifesohne wurden solche Hypothesen auch dem mächtigsten Mann der Welt vorgetragen. Obama hat ja eine Neigung  für neue Ideen offen zu sein - gerade was die Situation im Orient angeht. Es könnte in seinem Sinne sein, die Versöhnung mit der muslimischen Welt über den Iran in Gang zu setzen. Tolle Vorstellung!

Doch aus diesen Illusionen wird nichts. Die USA und der Westen können nicht über den Iran das erreichen, was sie erfolgslos über die sunnitischen arabischen Staaten seit Jahrzehnten versuchen. Der schiitische Iran ist nun mal der Hauptgegner der Sunniten in der gesamten Region. Das ist durch die religiöse Überzeugung bedingt, und wird zudem historisch und ideologisch untermauert - wenn auch für viele im Westen nur sehr schwer verständlich. Die Rivalität unter beiden Hauptströmungen des Islam wird auf absehbare Zeit bestehen bleiben - auch jenseits der aktuellen Lage im Irak.

Die Strategen im Westen dürfen nicht vergessen: im Irak selbst bilden die Schiiten zwar die größte religiöse Gruppe. In der muslimisch geprägten Region und in der muslimischen Welt überhaupt sind die Shiiten aber eine relativ kleine Minderheit. Versöhnung und verbesserte Zusammenarbeit mit den Muslimen weltweit setzt also voraus, vor allem mit den sunnitischen Kräften Verständigung zu finden. Beispiel Saudi Arabien - der Hüter der heiligen Stätten des Islam. Beispiel Ägypten - das bevölkerungsreichste arabische Land.

Bedingt und punktuell wird es vielleicht möglich sein, im Irak Seite an Seite mit dem Iran zu kämpfen. Das könnte auch notwendig sein, um den islamistischen Staat ISIS wieder in die Schranken zu weisen. Doch die Betonung liegt auf einem sehr begrenzten Ziel. Ansonsten muss der Westen weiterhin versuchen, die moderaten Kräfte im sunnitischen Islam zu bestärken. Daran geht kein Weg vorbei. Auch nicht für Obama, der die Situation im Orient vom Anfang an falsch einschätzte und sich häufig von unrealistischen Phantasiebildern hinreißen ließ.

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