Der neue König und der Königsweg für gleich drei Monarchien: Was sollte man aufgeben, was kann man gewinnen (Ceuta & Melilla vs. Gibraltar)

Yediot: spanische Siedlungen / UNHCR: europäische Grenze auf besetztem Gebiet / Ferran Martín: ...soll diese Lawine aufhalten / El Diario: Menschen / ...und Mauer / CEAR: an diesem Sperrwall / ...fließt viel Blut



Die vielleicht schwierigste Aufgabe, die auf den neuen König von Spanien zukommt, wird wohl sein, die Integrität des Landes aufrechtzuerhalten. Eine unmittelbare Bedrohung der territorialen Integrität kommt aktuell von Katalonien. Die reichste Provinz Spaniens, im Nordosten der iberischen Halbinsel gelegen, plant ein Referendum, um eventuell ihre Unabhängigkeit auszurufen. Dieser Schritt kann Schule machen. Auch in anderen Provinzen des Landes gibt es Tendenzen, sich von der Zentralregierung in Madrid zu lösen und eigene Wege zu bestreiten. Baskenland wäre hierzu ganz sicher ein Kandidat.



Katalonien, Baskenland, Valencia - die Entscheidung über die Zukunft dieser Regionen wird allein von spanischen Bürgern getroffen. Die übrige Welt bleibt außen vor. Doch es gibt drei weitere von Spanien bereits verwaltete oder beanspruchte Territorien, bei denen die internationale Gemeinschaft mitreden kann und wohl auch mitreden wird. Es geht einerseits um die spanischen Siedlungen auf besetztem marokkanischem Gebiet - die Städte Ceuta und Melilla. Und es geht andererseits um die britische Siedlung auf spanisch besetztem Gebiet, Gibraltar. Diese befindet sich auf der Südspitze der iberischen Halbinsel und verletzt ganz klar die terrioriale Integrität Spaniens.

Auch unter dem neuen König wird Spanien ganz sicher verlangen, dass Großbritannien die provokativen Handlungen aufgibt, die immer wieder von Gibraltar ausgehen. Darüber hinaus wird Madrid bestimmt auch darauf pochen, dass London seine Herrschaft über die Kronkolonie endlich beendet. Denn Gibraltar ist ein Relikt des Kolonialismus, der keinen Platz mehr in der modernen Welt hat. Allerdings: die gerechten Prinzipien, die für Gibraltar gelten, gelten erst recht auch für die oben erwähnten spanischen Kolonien in Nordafrika. Das müsste Madrid verinnerlichen. Ansonsten würde Spanien mit zweierlei Maß messen - was es übrigens seit Generationen auch tut.

Spanien steht vor Veränderungen. Es wäre in seinem eigenen Interesse, in der territorialen Frage den Befreiungsschlag zu wagen. Das bedeutet: einen Plan vorzuschlagen, der die notwendige Umstellung in Gibraltar sowie in Ceuta und Melilla vorsieht. Ein solcher Plan kann Spanien nach Innen stärken und gleichzeitig positiv auf die Beziehungen mit der arabischen Welt und mit dem afrikanischen Kontinent wirken. Parallel dazu wird ein solcher Plan Großbritannien dazu zwingen, seine starre, arrogante Haltung in der Frage von Gibraltar zu überdenken. Dieses Überbleibsel des Kolonialismus hat einfach keinen Platz mehr in Europa.

Die europäische Union wird sich mit den Themen Souveränitätsrechte in Gibraltar bzw. in Ceuta und Melilla ohnehin intensiv beschäftigen müssen. Anders als bei der Krise um die Ukraine oder bei anderen Weltkrisen kann die EU hier eine wesentliche, führende Rolle spielen. Hierzu eignet sich hervorragend der Mechanismus "europäische Aussenpolitik", der sonst eine Farce bleibt. Europa kann die Zukunft der genannten Siedlungen / Enklaven / Kronkolonien (wie man sie auch immer nennen mag) in die richtige, natürliche Bahn lenken. Das wäre der gerechte und realistische Königsweg für gleich drei Monarchien - Spanien, Marokko und Großbritannien.

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