Abdel Sisi und ich erleben ägyptische Geschichte: Wir Kinder von Cairo, wann treffen wir uns wieder?

Mostafa Housseln in Akhbar El Yom: Islamisten schicken Kinder, um Gewalt zu verbreiten / Cairo Now: Islamist Morsi kämpfte gegen das Militär / ...doch am Ende kamen die Generäle zum Zug  / Al Ahram: Sisi auf der Siegertribüne



Wenn ich heute ausführliche Beschreibungen über die Kindheit von Abdel Sisi in Cairo lese - hier ein Beispiel - denke ich an meine eigenen jungen Jahre. Wir sind in der gleichen Millionenstadt aufgewachsen. Wir haben zum Teil die gleichen Straßen und Plätze frequentiert. Sisi als der Sohn einer gut etablierten, muslimischen Familie der Mittelschicht; ich als Sohn jüdischer Eltern, die seit vielen Generationen tiefe Wurzeln im Orient hatten, gleichzeitig aber im Rahmen ihrer Gemeinde westliche Werte prägten und Französisch als Hauptsprache in einer arabischen Umgebung pflegten.



Aus meinen Kinderjahren habe ich noch lebhafte Erinnerungen an König Farouk. Als ein Jugendlicher im Kibbuz in Israel habe ich den Aufstieg der militärischen Herrscher am Nil erlebt - zunächst Muhammad Naguib, kurz darauf für längere Zeit Gamal Abdel Nasser. Den Generälen und Präsidenten Anwar Sadat sowie Hosni Mubarak habe ich die Hände geschüttelt und sie aus der unmittelbaren Nähe als Journalist und Besucher kennengelernt. Bei Hosni Mubarak war ich sogar im Präsidentenpalast zu Gast - und zwar direkt neben meinem früheren Haus in Cairo.

Werde ich auch bald mit dem neuen Präsidenten ins Gespräch kommen? Ich bezweifele es. Der Mann hat momentan bestimmt Wichtigeres zu tun. Sisi übernimmt die Mammutaufgabe, dem ägyptischen Volk Mut und Zuversicht zu geben. Dafür muss er schnellstens Reformen und Änderungen anstossen, die die Wirtschaft beleben und Menschen in Lohn und Brot bringen. Er muss gleichzeitig dafür sorgen, dass der islamistische Terror gedämpft wird und wieder stabile Verhältnisse herrschen.

Wäre ich in meinem Geburtsland geblieben, würde ich höchstwahrscheinlich Sisi nach Kräften unterstützen. Weit und breit ist keine Alternative zu sehen - weder organisatorisch noch persönlich. Die Armee, aus der Sisi kommt, ist die wichtigste Kraft im Land. Ohne sie läuft nichts. Mit seiner Person verkörpert Sisi die Sehnsucht der Ägypter nach erträglichen Zuständen, die ihr Land wieder auf die richtige Bahn bringen. Östlich in Syrien und westlich in Libyen sehen die Ägypter Erschütterung und Zerstörung, in die sie selbst geraten können. Das wollen sie aber definitiv nicht.

Mein Gedankenspiel geht aber ein Schritt weiter. Irgendwann in der Zukunft sehe ich doch noch eine Begegnung mit Sisi kommen. Wir haben ja genug Gesprächsstoff. Wir teilen gemeinsame Kindheitserinnerungen. Darüber hinaus - und das ist wohl das Entscheidende - wir wollen darüber sprechen, wie sich unser geliebtes Ägypten orientiert und für das moderne Zeitalter fit macht. Sisi wird mit mir ganz bestimmt die Meinung teilen, dass dies eine angemessene Verträglichkeit mit westlichen Werten voraussetzt. Es kommt auf die richtige Mischung Orient-Westen an. Es kommt auf die Brückenfunktion an, die viele Juden früher in Ägypten und in weiten Teilen Arabiens unter schwierigen Bedingungen wahrnehmen konnten.

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