Arabien blickt besorgt und fragt: Wer hat die Situation richtig eingeschätzt? Wer setzt sich nun durch?

Kassioun, Damascus: Russland liegt Syrien am Herzen / Ad Dustour, Amman: ...mit seiner Rückendeckung kann Assad Wahlen abhalten / Nasser al Jaafari in Ghad:  ...und das mitten im Krieg / Zustand Arabiens vor Fussballweltmeisterschaft / ...lässt vermuten, dass Putin der bessere Spieler ist



Die arabisch-sunnitische Welt blickt nach Syrien und stellt fest: Präsident Bashar Assad ist dabei, seine Position im Lande zu befestigen. Die vielen westlichen Kommentatoren, die das Scheitern der alawitischen Staatsführung prophezeiht hatten, müssen sich eines Besseren belehren lassen. Der US Präsident, der den Abgang von Assad mehrfach öffentlich verlangte, hat dem angeschlagenen syrischen Führer im entscheidenden Moment praktisch den Rücken gestärkt (als es darum ging, wegen Einsatz von chemischen Waffen gegen das Regime in Damascus vorzugehen). Das gleiche gilt für den französischen Präsidenten, der sich ebenfalls weit aus dem Fenster gelehnt hat.



Auch andere westliche Persönlichkeiten müssen nun einsehen, dass ihre Zukunftspläne für Syrien von Unkenntnis der tatsächlichen Lage geprägt waren. Oft war Dilettantismus im Spiel, als dubiose Gruppen von Rebellen unterstützt wurden, die nun in einigen syrischen Regionen die strengsten Gesetze der Sharia mit großer Brutalität anwenden. Die Feststellung liegt heute ziemlich nahe, dass mitten im syrischen Chaos Bashar Assad vielleicht die einzige verlässliche Kraft bleibt, die eine zukünftige Stabilität garantieren könnte. Kaum jemand im Westen sagt es offen. Doch in diversen Debatten und Studien kommt es schon zum Ausdruck. Die aktuelle Lage ist unbeschreiblich schlimm. Doch bei einem möglichen Gewinn der Rebellen würde es wahrscheinlich noch viel schlimmer kommen.

Die arabisch-sunnitische Welt blickt auf den Iran und stellt fest: bei dem Streit um das Atomprogramm der Ayatollahs setzt sich Tehran nach und nach durch. Die Sanktionen gegen das schiitisch dominierte Land werden immer lockerer. Sehr bald sind sie nur noch Makulatur. Von den feierlichen Warnungen von US Präsident Barack Obama, dem Iran keine Atomanreicherung durchgehen zu lassen, ist nichts mehr geblieben. Der Iran fühlt sich wieder freier, die internationale Gemeinschaft übers Ohr zu hauen. In den umliegenden Golfstaaten verbreitet sich die Angst, dass Tehran doch noch seinen Traum verwirklicht und schon bald über nukleare Waffen verfügen wird. Die strategische Balance in der Region gerät aus den Fugen. Der Westen kann noch so viel Schutz und Garantien versprechen. Die Situation aber wird dadurch nicht geändert.

Die arabisch-sunnitische Welt blickt auch nach Russland und in die Ukraine. Was sie dabei feststellt ist täglich auf dem Bildschirm sowie in Schlagzeilen aller möglichen Gazetten dokumentiert. Die Krim ist nun fest in russischer Hand. Keiner denkt ernsthaft an die Möglichkeit, diesen Zustand wieder rückgängig zu machen. In den östlichen und südlichen Regionen der Ukraine gibt es einen Volksaufstand, den keiner zu bremsen vermag - weder mit wirtschaftlichen Sanktionen noch mit Belehrungen und Beteuerungen. Auf der Gewinnerseite steht Russland, wenn auch seine Situation in vieler Hinsicht keineswegs glänzend ist. Die Vorstellungen und Versprechungen von westlichen Politikern haben sich nicht realisiert. Sie wurden im Gegenteil an den harten Realitäten zerschlagen. In Syrien. Im Iran. Auf der Krim und nun auch in weiten Teilen der Ukraine.

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