Die Ukraine brennt; der kalte (und der heiße) Krieg kehrt nach Europa zurück

Spiegel sowie Handelsblatt: zerstörte europäische Visionen / Steve Sack in Minneapolis Star Tribune: USA im tiefen Loch Ukraine / Kap in La Vanguardia: Putin handelt / Marian Kamensky, Slowakei: der Kalte Krieg kommt zurück



Jetzt ist es ganz offen und für jeden sichtbar. Der Frieden in Europa ist bedroht. Die relative Ruhe und Stabilität von mehreren Jahrzehnten ist gefährdet. Es kann zum Krieg kommen. Und bei Kriegen ist es so eine Sache - man weiß ungefähr, wie und wo sie anfangen. Man kann aber kaum prognostizieren, wie sie verlaufen und was die Konsequenzen sein werden. Auf jeden Fall steht fest: die Stimmung ist getrübt. Die wirtschaftliche Entwicklung leidet. Schöne Pläne auf Wachstum und mehr Wohlstand werden durch Berichte über Schießereien und Tote abgelöst.



Im ersten Bild der heutigen Galerie habe ich die Aufmacher von Handelsblatt und Spiegel gegenübergestellt. Ein Krieg bedeutet, den Todesschuss für optimistische Visionen zu versetzen, die den Europäern mehr Erfolg und verbesserte Lebensbedingungen versprechen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ganze Branchen von gegenseitigen Strafmaßnahmen betroffen werden. Eine schlimme Entwicklung, die allerdings noch aufgehalten werden kann.

Der Ursprung der aktuellen Krise in der Ukraine liegt in der historischen Rivalität zwischen zwei Teilen des Landes. Der westliche Teil der Ukraine, der zum Westen neigt, fühlte sich noch vor wenigen Wochen auf dem Siegeszug. Seine Vertreter spürten Rückenwind aus der EU und dachten, dass sie die Orientierung des ganzen Landes binnen kurzer Zeit völlig ändern könnten. Diese Illusion wurde seitens der EU durch Versprechungen und Andeutungen genährt, die auf Ignoranz basierten und völlig unrealistisch waren. Jetzt ist eine Wende vonnöten.

Dem östlichen Teil der Ukraine muss ein ernsthaftes Angebot gemacht werden, wie er sich in Staat und Gesellschaft zur Geltung bringen kann und dabei seine russische Orientierung beibehält. Das ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass die Ukraine doch noch ihre politische Einheit bewahrt. Bisher kam ein solches Angebot nicht. Bisher erlebte die Ukraine ein politisches Erdbeben, das den Graben zwischen prorussischen und anderen Bevölkerungsteilen immer weiter vertieft hat.

Die in weiten Teilen des Westens hochgelobte Maidan Revolution hatte sicherlich einige gute Aspekte - wie zum Beispiel die Forderung nach Bekämpfung der Korruption. Doch im Großen und Ganzen bewirkte sie den Riss in der ukrainischen Gesellschaft. Die Ukraine gibt es heute doppelt - wie schon früher in der leidvollen Geschichte des Landes. Der westliche Teil geht gegen den östlichen Teil vor und umgekehrt. So kann man keinen Staat bauen. Schon gar nicht, wenn kräftig von Aussen mitgemischt wird.

Sollte es zu einem Krieg kommen, so wird diesmal die prorussische Seite die Oberhand gewinnen. Russland hat sich in der Balkankrise vor zwei Jahrzehnten zurückgehalten und seine Verbündeten praktisch im Stich gelassen. Der Westen kam zum Zuge und konnte seine politischen Vorstellungen durchsetzen - leider nicht ohne massiven Einsatz von Gewalt. In der Ukraine sieht Russland seine vitalen Interessen und Anliegen direkt bedroht. Es wird dafür auch einen Krieg riskieren. Anders als der Westen, der in dieser Krise militärisch nicht intervenieren wird.

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