Wahlen in Afghanistan: Ist das der Weg zur nationalen Aussöhnung?

Daily Outlook: heute wird gewählt / Hasht e Sobe: häufig mit Fingerabdruck / Gedanken zur Wahl / ...die Stabilität & Konjuktur beeinflusst / Afghanistan Times: Sicherheit groß geschrieben / ...da Konfrontation droht



Die Hoffnung auf Frieden und Stabilität in Afghanistan beruht auf der heutigen Wahl, die aber an sich wenig hoffnungvoll ist. Der vom Westen importierte Mechanismus von allgemeinen, demokratischen Wahlen setzt politische und gesellschaftliche Realitäten voraus, die im heutigen Afghanisten leider nicht vorhanden sind. Diese bittere Wahrheit ist keineswegs eine Aussage gegen einen Urnengang, den kaum jemand bestreiten will. Es wäre allerdings töricht und falsch den Hintergrund zu übersehen, vor dem diese bestimmte Wahl stattfindet.



Hierzu liefern afghanische Medien auch am heutigen Tag viele Fakten und Analysen, die diese Skepsis untermauern. Nur ein Viertel der afghanischen Bevölkerung glaubt, dass die Wahlen fair und sauber ablaufen. Noch weniger Menschen sind bereit, Ergebnisse zu akzeptieren, die in ihren Augen für ihre Bevölkerungsgruppe bzw. ihren Stamm als ungünstig erscheinen. Diese in Afghanistan weit verbreitete Bewertung reflektiert den Umstand, dass eine nationale Aussöhnung noch lange nicht erreicht wurde. Eine solche Aussöhnung - darin sind sich die Kommentatoren einig - ist jedoch mit einer Konfrontation bei diesen höchst umstrittenen Wahlen nicht herzustellen. Im Gegenteil.

Wie auch bei früheren Wahlen in Afghanistan wird die heutige Runde von vielen Drohungen und Gewalt überschattet. Die häufigen Angriffe auf westliche Journalisten, denen gestern die deutsche Fotografin Anja Niedringhaus zum Opfer fiel, erinnert auch den Westen an die prekäre Sicherheitslage im Lande. Erschwerend kommt hinzu, dass den jüngsten Anschlag - wie auch etliche zuvor - ein Polizist verübte, der durch westliche Experten ausgebildet wurde. Dieser Umstand unterstreicht eine simple Tatsache: mehr Sicherheit in Afghanistan hängt nicht von mehr Polizeikräften ab. Denn es geht nicht um die Fähigkeiten der Polizisten, mit Waffen umzugehen; es geht viel mehr um ihre Gesinnung.

Wer auch immer zum Präsidenten gewählt wird (wahrscheinlich erst bei einem zweiten Urnengang, falls niemand bereits heute die absolute Mehrheit erzielt) - diese Person wird um  Autorität hart kämpfen müssen. Auch nach über 10 Jahren Militäreinsatz der NATO bleibt Afghanistan tief gespalten. Die Gegensätze zwischen Paschtunen und anderen Stämmen sowie zwischen Nord und Süd des Landes sind nicht durch Wahlen zu beheben. Gegenwärtig wären sie nur durch komplizierte, brüchige Allianzen zu überbrücken, die natürlich auch die Taliban miteinbeziehen. Diese Organisation aber bekämpft immer noch die Wahl und versucht, die heute zu erwartende Entscheidung buchstäblich in die Luft zu sprengen.

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