Was passiert, wenn die Weltmacht USA die Weltmacht Russland als Regionalmacht einstuft…

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Hand aufs Herz: glaubt jemand im Westen, dass die Krim an die Ukraine wieder zurückgegeben wird? Etwa als Geschenk von einem russischen bzw. sowjetischen Präsidenten, wie es 1954 der Fall war? Zweifelt jemand an der Entschlossenheit Russlands, die Krim endgültig einzugliedern? Denkt jemand im Ernst, dass dieser Prozess noch umgekehrt werden kann?



Der Ärger und die Frustration, die mit den jüngsten Entwicklungen verbunden sind, kann man sehr gut nachvollziehen. Doch am Ende zählen die harten Tatsachen. Niemand im Westen ist bereit und in der Lage, für die territoriale Integrität der Ukraine in den Krieg zu ziehen - und das ist auch gut so. Die Rhetorik, die nun die Krise um die Krim hochschaukelt ist menschlich zwar verständlich, politisch jedoch äusserst schädlich. Sie droht, aus einer ernsthaften regionalen Krise eine weitaus gefährlichere Weltkrise zu machen. Davon kann niemand profitieren.

Das jüngste Beispiel für diese Neigung sind die unvorsichtigen Äusserungen des amerikanischen Präsidenten. Barack Obama hat wohl seinen Frust ablassen wollen, als er Russland gestern lediglich als "Regionalemacht" eingestuft hat. Doch fast im gleichen Atemzug hat er seine Sorge zum Ausdruck gebracht, dass Manhattan Ziel eines nuklearen Angriffs sein könnte. Was immer auch Obama gemeint haben mag - eins ist sicher: Russland ist die Weltmacht und Nuklearmacht, die bei allen inneren Schwächen den USA immer noch oder nun wieder Paroli bieten kann. Das wird gelegentlich vergessen, nun sogar von Obama selbst.

Die Kritik an den Handlungen Russlands in der Ukraine-Krise ist zum großen Teil berechtigt. Doch zur ehrlichen Bewertung gehört auch klare Kritik an der verfehlten Politik der EU-Beauftragten Cathrine Ashton, die mit der Krise in der Ukraine völlig überfordert war und sehr unsensibel damit umging. Ohne ausreichende Kenntnisse der Lage hat die EU Tendenzen begünstigt, die auf die russische Minderheit in der Ukraine verständlicherweise irritierend wirkten. Die Oberhand gewannen Extremisten, die ungeschminkt eine anti-russische Haltung an den Tag legten. Ganz zum Schluß konnte die EU ihren eigenen Plan zur Beruhigung der Lage nicht anwenden. Die Konsequenz für Moskau war klar.

Nun ist vor allem die Suche nach Gemeinsamkeiten angesagt. Sowohl Russland als auch der Westen haben mit einer Konfrontation viel zu viel zu verlieren. Begrenzte Sanktionen, wie nun geplant, sind unwirksam und nicht gerade überzeugend. Weitergehende Strafmassnahmen werden beide Seiten gleichermassen treffen. Nicht umsonst will man sie nicht ernsthaft beschließen. Gesprächsfäden sollten erhalten bleiben und sogar ausgebaut werden. Die internationale Lage erfordert es unbedingt - siehe Krisenherde Syrien, Iran, Afrika und mehr.

Ein gutes Beispel für die noch bestehende Zusammenarbeit ist die Internationale Raumstation, die ja von den USA und Russland gemeinsam betrieben wird. Weltmacht America und Weltmacht Russland müssen an einem Strang ziehen, um dieses gigantische Projekt am Leben zu erhalten. Amerikaner und Russen müssen in der Lage sein, nicht nur im All sondern auf der Erde Verständigung zu suchen. Nur so ist eine drohende Weltkrise abzuwenden.

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