Putin handelt, die Welt schaut zu: Entweder wird die Krim Russisch oder wird die Krim Russisch!

Kap in All Voices: Putin kommt / Shlomo Cohen, Tel Aviv: ...und lässt wählen / KyivPost: Russen beobachten sich selbst / ...und schüchtern die Wähler ein



Veränderungen und Verschiebungen von Grenzen in Europa sind die Regel. Nicht die Ausnahme. Diese Feststellung mag für viele Westeuropäer unzutreffend oder gar bizarr klingen. Wir haben uns an eine relativ längere Phase der Stabilität und des Friedens gewöhnt, und das ist auch gut so. In öffentlichen Reden wird dieser Umstand immer betont, gelobt und gepriesen. Doch er ändert wenig daran, dass die obige Festellung auch in unserer Zeit ihre Gültigkeit behält. In der langen Geschichte Europas ohnehin, wie dieser kurze Film grafisch belegt.



Trotz guter Absichten und feierlichen Beteuerungen haben sich die Grenzen in Europa auch in den letzten 50 Jahren dramatisch verändert. Zuletzt übrigens durch einen Krieg, an dem NATO Truppen aus mehreren Ländern beteiligt waren. Die Rede ist natürlich von Jugoslawien, das in einige, unabhängige Republiken geteilt wurde - und zwar nach den geografischen, ethnischen und religiösen Gesichtspunkten. Das ist die Realität, die sich auch anderswo in Europa in absehbarer Zeit wiederholen könnte. Etwa in Spanien oder in Großbritannien, wo große Teile der Bevölkerung in wichtigen Regionen eine eigene staatliche Existenz anstreben, die anders als bisher wäre.

Insofern ist die drohende Zersplitterung der Ukraine keine Ausnahme, wie viele denken. Sie ist höchst umstritten. Sie mag unerwünscht sein aus der Sicht der europäischen Union oder der USA. Doch sie entspricht historischen und politischen Realitäten, gegen die keine Strafmassnahmen im Gewand von wirtschaftlichen oder anderen Sanktionen helfen. Aus vielerlei Gründen, die ich an mehreren Stellen erläuterte, waren Russland und die Ukraine Schwesterstaaten mit besonders engen Beziehungen. Der große Fehler in der aktuellen Krise war, die historischen und anderen Bindungen zwischen Russland und der Ukraine viel zu wenig zu beachten.

Die Krim wird nun zur russischen Föderation gehören. Wieder gehören - müsste man eigentlich sagen. Denn die Krim war bereits früher ein Teil des russischen Staates. Die neue Herausforderung für Russland lautet nun, wie es die nicht-russischen Minderheiten auf der Krim so harmonisch wie möglich integriert. Das bedeutet die Duldung von verschiedenen Institutionen, in denen die Identität der diversen Volksgruppen zum Ausdruck kommt. Das bedeutet auch die Akzeptanz von sprachlicher Vielfalt, von eigenen Medien, von kultureller Entfaltung und vieles mehr.

Auch die Ukraine steht vor ähnlichen Herausforderungen. Wenn Kiew eine weitere Zersplitterung seines Machtbereiches verhindern will, muss es besondere Rücksicht auf Regionen und Gebiete nehmen, in denen ethnische Russen leben und die russische Sprache den Alltag der Menschen beherrscht. Die Ukraine kann nicht ohne Weiteres "zum Westen" gehören. Sie müsste ein Staatsmodell entwickeln, bei dem sich westliche Werte und Lebensstil mit den engen Bindungen an Russland integrieren lassen. Das ist eine schwierige, jedoch nicht unmögliche Aufgabe. Darauf sollten sich die Politiker in Kiew und ihre Freunde im Westen konzentrieren - statt in einen chancenlosen Kampf zu ziehen, um die Kontrolle über die Krim wieder zu gewinnen.

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