Die vorhersehbare Katastrophe in der Ukraine; das hat der Westen einfach verschlafen

Stern, Hamburg: Katastrophe befürchtet / Kurier, Wien: Krieg! / Sunday Express: London warnt / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: die Geschichte wiederholt sich / Rote Linie grün gefärbt



Man kann und soll Russland für seinen Aufmarsch auf der Krim kritisieren. Die Empörung im Westen ist verständlich und natürlich. Doch dieser Schritt Moskaus war für jeden vorauszusehen, der die Lage einigermassen kennt. Der Hauptfehler liegt darin, dass diese Realität völlig übersehen wurde, als die Revolution in Kiew ihren Lauf genommen hat. US Präsident Barack Obama hat die Demonstranten nicht gewarnt. Die Europäische Union hat ihren Einfluss nicht dazu genutzt, die Gemüter etwas zu beruhigen. Irgendwie hat man mit der Fantasie gespielt, dass Russland eine neue Orientierung der Ukraine dulden könnte. Einfach so, weil dies der Vorstellung einer heilen Welt entspricht, die allerdings auf europäischem Boden schlicht und einfach nicht existiert.



Tatsache ist, dass Russland manche gerechte Interessen hat, die eine Abwendung der Ukraine zum Westen nicht zulassen. Hierzu gehören unter anderem: die wohl bekannten, großen strategischen Pläne, eine Euro-Asiatische Allianz zu errichten, die der EU und den USA Paroli bieten kann; die umfangreichen, traditionellen Handelsbeziehungen mit der Ukraine, die eine tiefe, gegenseitige Abhängigkeit bedeuten; die Beibehaltung der militärischen Einrichtungen auf der Halbinsel Krim und am schwarzen Meer; und nicht zuletzt die klare Verpflichtung und Notwendigkeit, den Russisch-Stämmigen in der Ukraine Schutz zu gewähren und ihre kulturellen Bindungen mit der alten Heimat zu befestigen.

Es war ferner die ganze Zeit klar, dass keine westliche Macht bereit und willens ist, zugunsten einer unabhängigen Ukraine ernsthaft zu intervenieren. Lassen wir es klar und deutlich aufzählen: Militärische Hilfe für die Ukraine kommt für die USA und für die NATO nicht in Frage. Umfangreiche, wirklich rettende finanzielle Hilfe ist völlig unrealistisch. Alles andere - Proteste, Stellungnahmen und Solidaritätsbekundungen - klingt sicherlich sehr schön; doch es bewirkt nicht, dass die Ukraine auf eigenen Füßen steht und sich beliebig aussuchen kann, wo sie sich zwischen Ost und West plaziert.

Nun erleben wir eine Situation, in der das Spielfeld allein den Russen überlassen wird. Der Westen redet, warnt, protestiert und ärgert sich. Russland handelt auf dem Terrain und bestimmt das Geschehen nach eigenen Interessen und Vorstellungen. Das haben wir bereits in der Georgien-Krise gesehen. Das hat sich weitgehend auch bei den Krisen um den Iran und um Syrien wiederholt. Das Fazit lautet eindeutig: Vor der Haustür, in der Ukraine, wird sich Russland nichts vom Westen vorschreiben lassen. Und der Westen hat keine erkennbaren Hebel, um Russland in seinem Sinne zur Räson zu bringen.

Lesen Sie bitte hier weiter:

Kriegsszenario Krim bzw. Ukraine: wie kann man das Schlimmste noch abwenden

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