Kriegsszenario Krim bzw. Ukraine: wie kann man das Schlimmste noch abwenden

Komsomolskaya Pravda: volle Unterstützung für Militäreinsatz / Russkiy Kuryer: Generäle stehen bereit / Martin Rowson in Guardian: Putin greift zu / Moscow Times: ...doch ist er tatsächlich der Sieger?



Krieg ist oft das unausweichliche Ergebnis von Interessenkonflikten, die nicht durch Verhandlungen und Ausgleich beigelegt werden konnten. Krieg ist aber manchmal auch das Ergebnis von tragischen Missverständnissen und Fehleinschätzungen. Der Krieg, der nun in und um die Ukraine droht, gehört wohl zur letzteren Kategorie. Da haben sich die Kontrahenten gründlich missverstanden. Dadurch entstand die aktuelle, explosive Lage, die den russischen Militäreinsatz hervorgerufen hat. Aus westeuropäischer oder amerikanischer Sicht ist der Einmarsch illegal. Aus russischer Sicht eine absolute Notwendigkeit, um der eigenen Volksgruppe Hilfe zu leisten.



Am deutlichsten wird das Missverständnis erkennbar, wenn man die Ereignisse der letzten Tage in Kiew mit der friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR in Verbindung bringt. Solche Vergleiche klangen in mehreren Stellungnahmen und Kommentaren an. Dabei wurde jedoch unterschlagen, dass es in der DDR um ein homogenes Volk ging, das nach einer gesamten deutschen Identität strebte. Es ging um Freiheiht, um Systemwechsel, um bessere Lebensbedingungen, um Beseitigung von Korruption sowie um den Wunsch, mit dem westlichen Teil des Volkes eine Einheit zu bilden.

In der Ukraine geht es auch um Freiheit, um Systemwechsel, um Lebensbedingungen und um Korruption. Doch all das geschieht vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die in ihrer Identität tief gespalten ist. Ethnische Abstammung, religiöse Überzeugung und kulturelles Erbe von rivalisierenden Volksgruppen prägen die tägliche Realität. Deshalb kann es keine Sieger geben, wenn man bloß einen Systemwechsel herbei führt. Der Wechsel muss unbedingt auch die demografische Struktur berücksichtigen - was bei den Demonstranten auf dem Maidan-Platz völlig unterging. Insofern sind viele gutgläubige Menschen in eine Falle geraten, als sie für die Ukraine eine ganz neue Orientierung suchten.

Nun muss man vorsichtig & bedacht zurückrudern. Das müssen zunächst die Vertreter der Demonstranten selbst, die ja inzwischen die Macht übernommen haben. Das müssen die Vertreter der europäischen Union, die in Kiew und anderswo falsche Illusionen geweckt haben. Alle Versuche der Erneuerung sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie die große russische oder russisch-sprachige Bevölkerung in der Ukraine ausgrenzt - was leider zurzeit der Fall ist. Die Konsequenz kann nur die Spaltung sein, wie bereits auf der Halbinsel Krim vorexerziert wird. Andere Teile der Ukraine könnten folgen, wenn die unterschiedlichen Volksgruppen es nicht verstehen, sich in einem gemeinsamen Staat wiederzufinden.

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