ARD-Interview mit Snowden: Was lernen wir, was können wir tun

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Viele Europäer sind von der Idee besessen, dass sie den Amerikanern eine Lektion erteilen sollten. Diese möchten bitteschön nicht mehr bei den loyalen Verbündeten auf dem alten Kontinent spionieren! Viele Amerikaner sind von der Idee besessen, dass sie den Europäern eine Lektion erteilen sollten. Diese möchten nicht mehr so tun, als ob sie von der gegenseitigen Spionage erst durch die jüngsten Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden gehört haben. Zudem möchten sie endlich zugeben, dass auch sie nach Kräften und Fähigkeiten bei verschiedenen befreundeten Staaten gerne Informationen sammeln, wobei es nicht immer mit rechten Dingen zugeht.



In diesen heftigen Auseinandersetzungen, die nun in eine weitere Runde gehen, kann meine Wenigkeit schlecht vermitteln. Doch ich kann wohl einige nützliche Hinweise geben, und daraus für Europäer, für Amerikaner und vielleicht auch für die übrige Welt vernünftige Konsequenzen ziehen.

Hinweis Nummer I: Es macht sicher wenig Sinn, die eine oder andere Adminstration davon zu überzeugen, die Tätigkeit der Geheimdienste einzuschränken oder gar einzustellen. Morgen oder übermorgen kommt eine andere Administration. Das politische Klima ändert sich häufig. Die Versuchung wird bestehen bleiben, sich so umfassend wie nur möglich zu informieren.

Hinweis Nummer II: Die wiederholten Veröffentlichungen und Aussagen über die NSA Aktivitäten kommen bereits seit Monaten von einem Mann, der in Moskau sitzt und von den russischen Behörden streng überwacht und kontrolliert wird. Timing, Inhalte und Dosierung der Enthüllungen entsprechen den Kreml-Interessen. Das wird gelegentlich übersehen oder gar vertuscht.

Hinweis Nummer III: Sensationelle Gepräche oder Interviews wurden sorgfältig geprüft und geplant, um bestimmte Wirkungen beim westlichen Publikum auszulösen. Darauf müssen sich auch die best vorbereiteten und erfahrenen Politiker und Journalisten gefasst machen, die Zugang zu Snowden bekommen und die Öffentlichkeit von Neuem alarmieren.

Hinweis Nummer IV: Amerikaner und Europäer hin oder her. Es werden sich immer Staatsdienste finden, die die ihnen zur Verfügung stehenden technologischen Errungenschaften nutzen, um zu schnüffeln und zu spionieren. Denken sie bloß an China oder Russland. Man kann solche Dinge nicht verbieten oder durch Gentleman's Agreement aus der Welt schaffen. Das wird leider nicht funktionieren. Seien wir realistisch.

Die Schlussfolgerung: Man kann sich bestimmt besser schützen, indem man durch Forschung und Knowhow auf dem letzten Stand der Wissenschaft ist. Gegen jede Waffe, die in der Cyber World eingesetzt wird, gibt es wohl eine Gegenwaffe. Nichts ist ultimativ. Man soll fleißig investieren und nach Möglichkeiten suchen, den Gegner in die Schranken zu weisen. Das ist zwar mühsam, da es viel Arbeit und Geld kostet. Doch das bringt garantiert lukrative Dividende. Man wird technologisch überlegen und kann damit gute Geschäfte machen.

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