Steueroase Virgin Islands: erster Einsatzort für Chinas Studenten, die sich auf Bekämpfung von Geldwäsche spezialisieren

Süddeutsche Zeitung: Banken & roter Adel / Guardian: Chinesen auf Steueroasen /...wie hier die Staatsführung /Song Chen in China Daily: Experten für Bekämpfung von Geldwäsche / Economist: ...möchten hier zum Einsatz kommen



Gerade vor wenigen Tagen berichtete China Daily über einen neuen, ungewöhnlichen Studiengang an der Fudan University in Shanghai: Spezialisierung in der Bekämpfung von Geldwäsche. Das passt wie die Faust aufs Auge zur aktuellen Meldung, die heute morgen in vielen Gazetten weltweit als Aufmacher des Tages dient. Danach steht es fest, dass viele Angehörige der chinesischen Führung riesige Vermögen in der Steueroase Virgin Islands horten. Ich nehme nun in Anspruch, als erster auf diese Verbindung hinzuweisen und schlage hiermit ein Engagement für die chinesischen Studenten vor, die ja bereits einige fachliche Kenntnisse vorweisen können.



Diese Studenten sollten nun im Staatsapparat in Peking und anderswo gleich zum Einsatz kommen. Aufgrund der Dringlichkeiten des Themas kann man in diesem bestimmten Fall auf eine Probezeit verzichten. Den Studenten muss Zugang zu allen finanziellen Unterlagen der eigenen Staatsführung gegeben werden. Das verspricht, eine echte Goldgrube zu sein (wobei Gold hier buchstäblich gemeint ist!). Denn laut dieser Recherche gibt es viel aufzudecken und anschließend auch aufzuräumen. Niemand darf verschont werden. Die Staatsführung möchte der Versuchung widerstehen, bei dieser speziellen Angelegenheit die Zensur einzuschalten. Es war ja ihre eigene Initiative, das besagte neue Fachstudium ins Leben zu rufen!

Natürlich ist es für die Verantwortlichen schwierig, ihr eigenes Fehlverhalten untersuchen zu lassen. Doch China darf seine eigenen Prinzipien und Vorgaben nicht übersehen. Glaubwürdigkeit ist das A und O. Die Bekämpfung von Geldwäsche auf den höchsten Etagen muss genauso ernst genommen werden wie bei allen anderen Personen und Institutionen. Zumal wir hier über ein kommunistisches Land sprechen, das ja immer noch (nach eigenen Vorstellungen) den Grundsätzen der Solidarität und Gleichheit verpflichtet ist. Niemand soll über dem Gesetz stehen. Schon gar nicht, wenn es um Riesensummen geht, die vorbei am Fiskus in Virgin Islands und anderen Steueroasen plaziert worden sind. Das können die Studenten in Shanghai ganz sicher bestätigen.

Seit zwei oder drei Jahren hören wir wiederholt, dass die Zeit der Steueroasen abgelaufen ist. Mitnichten! Steueroasen florieren gerade in dieser Zeit, in der die internationale Gemeinschaft so genau hinguckt. Das große Geld ist nunmal da - und somit auch die ständige Verlockung, es vor dem Zugriff der Finanzbeamten zu retten. Die Methoden der Vertuschung haben sich erheblich verfeinert. Die Superreichen können sich also auch heute darauf verlassen, dass Finanzinstitute in verschiedenen Ländern immer wieder Wege finden, Riesenvermögen auf abgelegenen Inseln wohl behütet und geheim zu plazieren. Fragen Sie bei der chinesischen, kommunistischen Elite nach. Sie könnte ein Lied davon singen. Vorausgesetzt allerdings, dass sie es mit dem neuen Studienfach tatsächlich ernst meint.

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