Export von westlichen Werten in den Orient? Dieser Weg kann nicht gelingen

Avital Alter: Russen & Chinesen quetschen Obama ein / Al Mohrer, Bagdad: Stand der "arabischen Revolution"  / Shlomo Cohen: John Kerry versucht, den RAHMEN für Frieden durchzuboxen / Ronny Gordon in Ma'ariv: ...wovor Moshe Ya'alon warnt / ...wie auch vor der iranischen Bombe, die Obama hinzunehmen scheint 



Es gibt sicherlich viele Unterschiede zwischen der Orient-Politik der USA unter dem früheren Präsidenten George W. Bush und dem amtierenden Präsidenten Barack Obama. Doch diese Unterschiede betreffen eher taktische Details. Bestechend und bedeutend sind vor allem die Gemeinsamkeiten. Diese kann man in einem kurzen Satz zusammenfassen. Beide Präsidenten waren oder sind von dem Ehrgeiz getrieben, die westlichen Werte in den Orient zu exportieren. Das ist der gemeinsame Nenner, der die Grundlage ihrer Aktivitäten im arabischen und muslimischen Raum bestimmte oder noch bestimmt.



Bei Bush hieß es wiederholt, dass die Araber und Muslime nach Freiheit und Demokratie streben würden - und zwar genauso wie die Menschen im Westen. Das war sein Credo, mit dem er die militärischen Interventionen in Afghanistan und im Irak rechtfertigte. So hat er sich gegen Kritiker in den eigenen Reihen verteidigt.

Bei Obama ist es ähnlich, wenn auch anders ausgedrückt. Obama redet ebenfalls über Freiheit und Demokratie, die er als Ziele für die Gesellschaften im Orient vorzuschreiben versucht. Seine Präsidentschaft hat Obama mit einer großen Rede in Cairo begonnen, um dieses Anliegen vor aller Welt zu unterstreichen.

An den Absichten ist nichts auszusetzen. Sowohl Bush als auch Obama meinten es gut mit den arabischen und muslimischen Völkern. Das gilt auch dann, wenn sie naturgemäss die eigenen Interesssen der Supermacht USA als die wichtigste Priorität betrachten. Die politischen, militärischen und diplomatischen Schritte sollten bewirken, dass westliche Werte angenommen und angewendet werden. Das wäre - so die Überzeugung - für alle Beteiligten von Vorteil.

Der Fehler liegt aber darin, dass im arabischen und muslimischen Raum die noblen, hochgepriesenen Werte anders verstanden werden, als sie in den westlichen Hauptstädten gemeint sind. Daran konnten und können weder Bush noch Obama noch andere führende Personen etwas ändern. Es würde genügen, wenn sie einfach verinnerlichen, dass weder die USA noch Europa in der Lage sind, Freiheit und Demokratie zu exportieren, geschweige denn durchzuboxen. Es bedarf einer langen Entwicklung, bis im Orient Veränderungen im westlichen Sinne stattfinden. Die notwendigen Umstellungen haben nur eine Chance, wenn sie von Innen kommen und durch die hiesigen Gesellschaften getragen werden. Die Belehrungen aus dem Westen stören eher diesen Prozess, der wohl mehrere Generationen andauern wird.

Die Russen kommen im Orient besser an als der Westen. Diese frappierende Erkenntnis wurde neulich bei den Krisen in und um Syrien und Iran deutlich manifestiert. Das geschieht trotz der Tatsache, dass die Russen im arabischen Raum kaum wirtschaftliche Hilfe leisten und sich aus dem gesellschaftlichen Engagement heraushalten. Die relativ gute Stellung der Russen ist darauf zurückzuführen, dass sie keine Ratschäge im Hinblick auf Umwälzungen geben. Sie betrachten die diversen Revolutionen als eine innenpolitische Angelegenheit und warten den Ablauf und das Ergebnis einfach ab. Das mag eine zynische Einstellung sein. Doch sie ist letztlich wirksamer als die westliche Parteinahme, die immer wieder zu Frustrationen führt.

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