Raul Castro & Barack Obama: eine Detente könnte helfen, die Machtdynastie auf Cuba zu beenden

Svenska Dagbladet: Obama & Raul / Riber Hansson zeichnet Raul & Fidel / Dana Summers in Orlando Sentinel: ...die Verjüngung ankündigen / Elpidio Valdés in Adelante: ...mit diesem Revoltuionsrausch / Cinco de Septiembre: doch Raul setzt Hoffnung auf Barack



Schauen Sie sich bitte das erste Bild in der heutigen Galerie gut an. Dieses Bild spricht Bände. Es kann nach meiner Überzeugung gesellschaftliche und politische Veränderungen bewirken. Das verheißt Gutes vor allem für Cuba. Doch auch für die Supermacht America, die auf der kleinen kubanischen Insel immer noch militärische Einrichtungen unterhält. Nach allgemeinem Verständnis ist das nicht mehr akzeptabel und gehört der Vergangenheit an.



US Präsident Barack Obama traf mit Verspätung zur Abschiedszeremonie von Nelson Mandela ein. Der Grund dafür ist banal und jedem von uns wohl bekannt, auch wenn wir noch lange nicht in die Rolle eines Präsidenten schlüpfen können: Verkehrsstau (wie schön, dass auch Präsidenten so etwas mal erleben!). Nun wurde Obama quasi gezwungen, durch die Reihe der anwesenden Staats- und Regierungschefs zu gehen und jedem einzelnen die Hand zu schütteln. Bei manchen kam noch eine kleine Umarmung oder gar ein Kuss hinzu. Nicht aber bei dem kubanischen Herrscher Raul Castro.

Der kubanische Diktator wurde lediglich mit einer höflichen Begrüssung bedacht. Es war eine Art Pflichtübung, der Obama nicht aus dem Weg gehen konnte. Fertig. Das sagt das Bild ganz deutlich. Allerdings: Raul Castro sah die Begegnung ganz anders. Er verstand darin die Andeutung, dass sein Land durch das kurze Aufeinandertreffen die schlimme Isolation überwinden könnte, der es seit nun über einem halben Jahrhundert ausgesetzt ist. Hiermit stärke ich Raul Castro in seiner Hoffnung. Es ist in der Tat so, dass dieses Meeting den Beginn einer langfristigen Freundschaft bedeuten kann.

Mein heutiger Blick in die kubanische Presse bestätigt mich in dieser Ansicht. Die wenigen Presseorgane des autoritären Regimes platzen fast vor Stolz. Sie beleuchten das Intermezzo Obama-Castro als Weltereignis von großer Tragweite. Kommen sich Cuba und die USA doch näher? Kann man die lange Feindschaft überwinden? Ist der Zustand der letzten Jahrzehnte überhaupt noch haltbar? Ist es nicht höchste Zeit, etwas Neues auszuprobieren und das Tor zur Diplomatie aufzustoßen?

Diese ist auf jeden Fall von Cuba aus betrachtet sehr gewünscht. Das sagt Raul Castro auf diesem Bild. Er guckt Obama sehr konzentriert an, während der US Präsident seinen Blick ganz anderswohin richtet. Das ist nicht verwunderlich. Cuba ist hier der schwache Partner, der den Riesennachbar America unbedingt braucht um sich über Wasser zu halten. Es ist wohl realistisch zu vermuten, dass in absehbarer Zeit etwas Dramatisches geschieht. Cuba will es unbedingt. Die USA muss sich die Sache noch gründlich überlegen.

Was die kubanische Seite noch nicht ganz versteht ist der Umstand, dass eine Öffnung nach Westen das baldige Ende des kubanischen Modells einläuten würde. Die Machtdynastie Castro stößt an ihre Grenzen. Die ständige Bevormundung und der andauernde Personenkult kommen nicht mehr an. Es wird Zeit, sich auf Veränderungen im Inneren einzustellen. Gleichzeitig wird sich die USA damit abfinden müssen, dass die kleine Insel vor ihrer Küste nicht als Vasall betrachtet werden kann. Das bedeutet unter anderem, dass das amerikanische Hoheitsgebiet auf der Insel irgendwann der kubanischen Souveränität überführt werden muss.

Somit entsteht ein Deal, der beiden Seiten Vorteile bringt. Nicht zuletzt Freiheit, Investitionen und erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen auf Cuba. Eine gute Sache für Havana, für Washington und für den ganzen Kontinent America. So wird eine neue Welt über ein seltsames Bild entdeckt, das ungeplant durch einen Verkehrsstau entstand. Diese Seltenheit bietet die Perspektive einer guten Entwicklung, die man nicht verpassen darf.

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