NATO Soldaten verlassen Afghanistan, das sich nun neu orientiert

Afghanpaper: Kritiker belächeln Karzai / Outlook Afghanistan: ...der nun mit dem Iran paktiert / auch andere Verträge stehen an / ...da die Sicherheitslage angespannt bleibt / Tolafghan: NATO geht, Taliban ist im Kommen



Es war vorauszusehen. Nun ist es Realität geworden. Afghanistan orientiert sich neu. Die Streitkräfte der NATO verlassen das Land. Der Westen sagt von sich selbst, dass er kriegsmüde ist. Das ist mehr als verständlich. Die Menschen in den USA und Europa können kaum noch verstehen, worum es bei den ständigen Streitereien und häufigen Selbstmordanschlägen im fernen Afghanistan geht. Das vorherrschende Gefühl lautet ganz klar: Die westlichen Soldaten möchten schnellstens nach Hause kommen. Lieber heute als morgen. Am Hindukusch haben sie nichts mehr zu suchen.



Das gilt unter anderem für die Supermacht USA, die allerdings immer noch über eine gewisse, restliche militärische Präsenz in Afghanistan verhandelt. Dabei sollen die Amerikaner unabhängig handeln dürfen und zu Not sogar gegen potentielle Gegner gewaltsam vorgehen. Darauf besteht Washington. Kabul kann diese Vorbedingung nur schwer akzeptieren, weil es seine Sourveränität verletzt und den angestrebten, inneren Frieden im Land gefährdet. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Afghanistan seinem Schicksal überlassen wird. Ohne nennenswerte Anwesenheit von westlichen Soldaten. Das wäre eine Zäsur, die dramatische Konsequenzen haben wird.

Eine dieser Konsequenzen ist die Annäherung an den Iran - der aufsteigende regionale Spieler, der sich an der Schwelle zur Atommacht befindet. Der afghanische Präsident Hamid Karzai ist praktisch gezwungen, mit dem Iran immer enger zu kooperieren. Dabei hilft ihm die neue Legitimation, die Tehran durch das Genfer Abkommen auch im Westen erhalten hat. Gleichzeitig versucht Karzai, auch mit den anderen Anrainerstaaten Verständigung zu erzielen - allen voran natürlich Pakistan. Dieser wichtige Nachbar stellt die andere muslimische Atommacht dar, die das Geschehen in der Region stark beeinflussen kann.

In Afgahnistan selbst bleibt die Frage offen, ob die bisherigen Reformen weiterhin angewendet oder ausser Kraft gesetzt werden. Es geht dabei zum erheblichen Teil um die Stellung der Frauen in der afghanischen Gesellschaft. In ländlichen Gebieten hat sich durch die westliche militärische Intervention in dieser Hinsicht nichts geändert. Doch in der Hauptstadt Kabul und in einigen andren Zentren haben nun auch Frauen Zugang zur Bildung und können aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben mitwirken. Die Taliban - die an der künftigen Regierung beteiligt werden müssen - werden alles tun, um diese neuen Freiheiten zurückzudrängen.

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