Als Gendarme de l´Afrique wird Frankreich noch viel nachzuholen haben

Schlagzeilen Gendarme: Afrika-Polizist Frankreich / Journal de Bangui: langfristig erwünscht! / Charb in HuffPost: der Gendarme ist unwillig / Le Temps: ...doch er bleibt immer wieder im Einsatz / Perico Blog: ...und zwar unter jedem Präsidenten



Stammesfehden sowie Kämpfe zwischen Christen und Muslimen haben in der zentralafrikanischen Republik hunderte Todesopfer gefordert. Die Gewaltanwendung, die sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg entwickelte, geht unvermindert weiter. Die Behörden im Land sowie afrikanische Regierungen in den umliegenden Staaten sehen keine Chance, die Lage aus eigener Kraft zu beruhigen. Zu zerissen ist das Land, das seit vielen Jahren keine Autorität hat, die von allen Teilen der Bevölkerung akzeptiert wird. Zu krass sind die Gegensätze zwischen den rivalisierenden Parteien. Zu schwach sind die Zentralgewalt sowie Armee und Polizei.



In dieser verzweifelten Lage verstärkt sich der Ruf nach französischer Intervention. Eine kleine französische Streitmacht ist ohnehin permanent im Land präsent - wie in den meisten ehemaligen Kolonien Afrikas. Nun wird diese Streitmacht um das vielfache verstärkt, damit sie das gegenseitige Morden auch nur ansatzweise stoppen kann. Gewollt oder ungewollt, gezwungen oder ungezwungen - das ist unerheblich. Am Ende zählt nur der Umstand, dass Frankreich wieder die Rolle des Polizisten in weiten Teilen Afrikas übernimmt, woran es sich schon seit vielen Jahren gewöhnt hat. Frankreich als Gendarme de l'Afrique, wie das im Originalton ungeschminkt heißt.

Nicht alle in Frankreich sind glücklich über diese Rolle. Die Regierung in Paris auch nicht unbedingt. Sie versucht fieberhaft, eine eigene afrikanische Streitmacht zusammenzustellen, um den Schutz der Bevölkerung zu übernehmen. Doch weit und breit ist keine Chance vorhanden, in absehbarer Zeit afrikanische Truppen wirksam einzusetzen. Die Menschen in der zentralafrikanischen Republik verlassen sich lieber auf die französische Fremdenlegion - eine Eliteeinheit, die sehr stark an die Kolonialzeit erinnert und sie zum großen Teil auch bis zum heutigen Tag verkörpert. Die Opfer der gegenwärtigen Auseinandersetzungen wissen, dass ihr Wohlergehen oder gar ihr Leben davon abhängt, dass Paris schnell und entschieden interveniert.

Regierungen in Frankreich kommen und gehen. Die Afrika Politik der französischen Republik bleibt aber recht konstant. Paris engagiert sich in seinen ehemaligen Kolonien wie eh und je. Dieses Engagement ist zunächst wirtschaftlicher, politischer und kultureller Natur. Es klingt glaubwürdig und verständlich, dass sich Frankreich den französisch-sprechenden Ländern auf dem schwarzen Kontinent besonders verpflichtet fühlt und sie schützen will. Doch klar ist gleichzeitig, dass dies nicht ohne Eigennutz getan wird.

Frankreich hat über viele Jahrzehnte dafür gesorgt, dass mehrere Länder in Afrika von der Zentralmacht in Paris weitgehend abhängen. Diese Abhängigkeit besteht fort und wird sogar verstärkt, wie die häufigen militärischen Interventionen sehr klar belegen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Militäroffensive in Mali: diesen Krieg kann Frankreich nicht gewinnen

Militäreinsatz in Afrika: das libysche Chaos schwappt auf Mali über

_________________________________

You are welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Einsatz in Afrika: wurde Timbuktu tatsächlich befreit?

Schlagwörter: , , ,

Anmelden