Ukraine zwischen Russland und der EU: Bei dieser Wahl bleibt Kiew chancenlos

Rossiyskaya Gazeta, Russland: Warnung vor Nationalismus / ForUm, Kiew: Putin unser Zar? / Ukrainska Pravda: Poster für Demos / ...die sich gegen Moskau richten / ZN: Russland lockt mit günstigem Preis für Gas / ...sowie mit Krediten  / Focus: Putin droht mit Anschluss / Kianoush: der Präsident und seine Gefangene



Die Demonstranten in Kiew wecken viel Sympathie. Sie kämpfen für eine gerechte Sache. Sie wollen ein unabhängiges Land Ukraine, das sein politisches System und seine Partner in der Welt frei wählen kann. Dagegen kann man wirklich nichts sagen. Alle sind dafür, diese Prinzipien hochzuhalten und zu befolgen. Sicherlich auch - zumindest verbal - die Unterstützer des ukrainischen Präsidenten, der zum Ärger der Demonstranten das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union partout nicht unterzeichnen will.



Die Forderungen der Demonstranten werfen aber viele Fragen auf, die noch längst nicht beantwortet werden konnten. Wie wird das künftige Verhältnis zwichen Russland und der Ukraine, wenn sich das Land politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nach dem Westen ausrichtet? Welche Stellung wird die russische Sprache einnehmen, die von knapp fünfzig Prozent der Bevölkerung als Hauptsprache benutzt wird? Welche Identität wird das Land prägen, in dem 15 bis 20 Millionen Menschen sich als Russen fühlen und sich natürlicherweise dem starken Mutterland zuwenden?

Auf diese und andere dringende Fragen, die den langfristigen Charaker der Ukraine bestimmen, gibt es potentiell zwei Antworten. Die eine Antwort lautet: ein unermüdlicher Versuch, die verschiedenen Volksgruppen in der Ukraine zusammenzubringen und sie für ein Konzept der gemeinsamen Staatsführung zu gewinnen. Nach Lage der Dinge muss es im Einklang mit den Interessen stehen, die der riesige russische Nachbar als vital betrachtet. Die andere Antowort lautet: eine Konfrontation mit Russland, bei der die Ukraine nicht die geringste Chance hat, sich zu behaupten. Das ist die unappetitliche Wahrheit, die manchmal an den Demonstranten in Kiew vorbeigeht.

Hier geht es übrigens nicht allein darum, wer Recht hat, und wer sich irrt. Beide Seiten in diesem Identitätskonflikt haben sehr gute Argumente und können Aussenstehende leicht von ihren Anliegen überzeugen. Entscheidend hier ist die ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung. Diese erfordert viel Sensibilität und ständige Kompromisse. Die Ukraine darf nie vor der Wahl stehen, zwischen einer Westorientierung und einer Anlehnung an Russland wählen zu müssen. Die Ukraine muss es schaffen, die innere Zerissenheit zu überwinden und dann sowohl mit Russland als auch mit der EU gut und vorteilhaft zu kooperieren.

Diese delikate, besondere Lage steckt die Grenzen der Handlungsfähigkeit der Ukraine ziemlich präzis ab. Die Großmacht Russland wird nicht zulassen, dass die Ukraine als enger Partner verloren geht und sich allein dem Westen zuwendet. Das wäre sicherlich auch nicht im Sinne von vielen Millionen russischstämmigen, die dann auf ihre Art und Weise rebellieren würden, um die Bindung an Russland wieder herzustellen. Eine solche Entwicklung könnte die territoriale Integrität der Ukraine in Frage stellen - wie Moskau bereits unüberhörbar andeutet.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Castor Demos: hier sehen Sie, wie man in Harrisburg & Kiew (nicht) berichtet

Putin hörte ab, als MdB Ströbele in Moskau mit Snowden seinen Medien-Coup plante

_________________________________

You are welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Anmelden