Darf der Iran Uran anreichern oder nicht? Die Blamage von Genf

The Independent: in diesen explosiven Apfel wollte America unbedingt beißen! / Haberler: klar, wir dürfen anreichern! / PJ Media: Ja oder Nein zur Anreicherung? / The Iran Project: Iran sagt JA! / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: so schützt der amerikanische Schirm



Es ist wieder so ein Fall, bei dem der gesunde Menschenverstand ausreicht, um Erfolg oder Misserfolg zu bewerten. Man braucht nicht den Text im Einzelnen zu kennen. Man muss nicht mit allen Details der Abmachung vertraut sein. Man muss schon gar nicht Jurist sein oder als anerkannter Nuklearexperte das Thema Atom perfekt beherrschen. Es reicht zu wissen, dass hinten und vorne etwas nicht stimmt.



Die Rede ist von dem Abkommen, das die Großmächte mit dem Iran heute frühe erzielt haben. Beide Seiten wirken glücklich. Endlich eine Einigung! Historischer Kompromiss! An Superlativen fehlt es nicht. Nun besteht angeblich eine realistische Chance, die Atombombe des Iran auf friedlichem Weg zu beseitigen. Die Welt sei ein sicherer Ort geworden. Große Geschäfte mit dem Iran können nun sanktionsfrei betätigt werden. Hurra!

Die Sache hat nur einen Haken, der prompt auffällt. Der Iran und die Großmacht USA verstehen das Abkommen ganz unterschiedlich. Und zwar an einer wesentlichen Stelle. Der Iran behauptet offiziell und lautstark, dass das Abkommen sein Recht anerkennt, weiterhin Uran anzureichern (und damit der Produktion einer Nuklearwaffe langsam aber sicher näher zu kommen). Die USA behauptet offiziell und lautstark, dass die Uran-Anreicherung durch den Iran ausgeschlossen wurde.

Das ist also das Interimsabkommen, das man in Genf vor den Kameras der Weltöffentlichkeit so herzlich miteinander feierte. Die Kontrahenten streiten sich heftig darüber, was es überhaupt beinhaltet. Das ist allerdings keine Auslegungssache. Das ist meiner Meinung nach Absicht. Beide Seiten waren entschlossen, ein gemeinsames Papier rasch zu unterzeichnen. Wissend natürlich, dass sie eigentlich in den Kernpunkten keine Übereinstimmung erzielen können.

Denn ein fauler Kompromiss war ihnen wichtiger als gar kein Kompromiss. Die Geschäfte winken! Und der Verantwortung kann man sich mit diplomatischen Formulierungen irgendwie entziehen. Ausserdem wird ja weiterverhandelt. Man kann behaupten, dass die nächste oder die übernächste Runde die Erlösung bringt. Doch machen wir uns nichts vor: Die Beschwichtigung von Genf ist höchst gefährlich. Sie öffnet Tür und Tor für Konfrontationen, die letzlich auch die Großmächte bedrohen, die heute noch vom einmaligen Erfolg sprechen.

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