Annährung zwischen dem schiitischen Iran und dem Westen: So reagieren die sunnitischen Araber in der Region

Al Eqtisadia: das wurde in Syrien angerichtet / Asharq Al-Awsat: der Westen sieht die Realitäten schlecht / USA stopft nur noch Löcher /Al Hayat: Morsi vom Westen gestärkt / im Libanon bleibt die Lage explosiv



Die Konfrontation zwischen Iran und dem Westen begann vor knapp 35 Jahren, als die schiitischen Ayatollahs die Macht übernahmen und einen Gottesstaat errichteten, der sich ideologisch und politisch gegen die Werte des Abendlandes aufstellte. Die Konfrontation zwischen Iran und der sunnitischen Welt begann vor 1300 Jahren und wurde immer wieder gewaltsam ausgetragen - zur Zeit mit großer Brutalität in Syrien. Diese zwei Daten erklären zum erheblichen Teil die größerwerdende Diskrepanz in der Bewertung der Gefahr, die von einem nuklearen Iran ausgeht.



Geführt von den USA betrachtet der Westen die Angelegenheit zunehmend als eine praktische Sache, die durch undurchsichtige Kompromisse geregelt werden kann. Die herrschende Meinung scheint zu sein, dass man den Iran nicht mehr daran hindern kann, sein für militärische Zwecke entwickeltes Nuklearpotential ganz aufzugeben. Also vereinbart man eine Regelung, bei der sich der Iran feierlich verpflichtet, die Atombombe zunächst nicht zu bauen - obwohl er das ziemlich bald könnte. Die richtige Lösung wird auf die lange Bank geschoben. Inzwischen aber werden die Sanktionen dramatisch gelockert und für westliche Firmen winken lukrative Geschäfte.

Diese Art fauler Kompromisse kann und will die sunnitische Welt nicht hinnehmen. Vor allem Saudi Arabien als Hüter der heiligen Stätten des Isalm fühlt sich berufen, im Auftrag der sunnitischen Welt dem Iran die Stirn zu bieten. Mit Argwohn sieht Riyadh, wie seine Verbündeten im Westen - allen voran die USA - eine nachgiebige Politik dem Iran gegenüber vertreten. Es wehrt sich nun dagegen, in dem es nach neuen Optionen Ausschau hält. Es prüft die Möglichkeit, im schlimmsten Fall militärisch zu agieren. Ansonsten reagiert es trotzig und signalisiert, dass es sich von den USA distanziert und mit anderen Kräften versucht, die Akte Iran für die sunnitische Welt zu regeln.

Was sich dabei anbahnt kann die Region nachhaltig verändern. In überwiegend sunnitischen Staaten wie in Saudi Arabien selbst, im bevölkerungsreichsten arabischen Land Ägypten sowie im von einer palästinensischen Mehrheit getragenen Staat Jordanien wollen nun die Regierungen nukleare Reaktoren errichten. Dabei beginnen sie inzwischen, Aufträge an Russland zu vergeben. Moskau unterstützt diese Vorhaben und nutzt es aus, um seinen wirtschaftlichen und politischen Einfluss in Arabien auszubauen. Bei den Arabern gelten die Russen zunehmend als zuverlässige Vertragspartner, die im Gegensatz zum Westen die Regime nicht kritisieren und keine Forderungen nach inneren Reformen stellen.

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