Iran an der Schwelle zur Atommacht: was machen die Saudis? Kommt die sunnitische Bombe?

Okaz: die Ayatollahs üben bereits / Migdad in Arab News: mit der Bombe wächst ihr Gewicht / Al Jazirah, Riyadh: ...während Amerikaner mit leeren Händen kommen / Ronny Gordon in Ma'ariv: noch Zeit für militärische Option?



In Genf zeichnet sich eine Vereinbarung ab, bei der sich der Iran verpflichtet, die Anreicherung von Uran zwar zu begrenzen, aber nicht komplett zu beenden. Des Weiteren wird der Iran alle Anlagen und Substanzen behalten, über die er bereits verfügt, um sein Atomprogramm weiter zu betreiben. Bei diesem Deal mit den Großmächten wird dem Iran eine gewisse Erleichterung der internationalen Sanktionen versprochen. Eine weitere Runde der Verhandlungen soll stattfinden, um ein umfassendes Abkommen zustande zu bringen.



Was konkret bedeutet diese Vereinbarung? Erstens: der Iran wird zunächst keine Atommacht im klassischen Sinne. Doch er wird in der Lage sein, binnen weniger Monate oder gar Wochen eine Nuklearwaffe zu basteln und diese auf eine Trägerrakete zu montieren. Zweitens: dieser Zustand der "fast Nuklearmacht" mit internationaler Zustimmung wird die strategische Position des schiitischen Gottesstaates erheblich verstärken. Der Iran wird an Bedeutung gewinnen und in seinen Einflusszonen in der Region - etwa im Irak, in Syrien und im Libanon - wirksamer als bisher das Geschehen bestimmen.

Wer ist der Verlierer in dieser Situation? In erster Linie der direkte Nachbar Saudi Arabien, das sich als Hüter der heiligen Stätten des Islam versteht und die sunnitische Glaubensrichtung vehement verteidigt. Saudi Arabien wird die neue Situation nicht ohne Weiteres hinnehmen. Bereits jetzt führen die Saudis intensive Gespräche mit Pakistan - ein muslimischer Staat sunnitischer Prägung, der sich in letzter Zeit immer wieder mit den USA anlegte. Pakistan besitzt bekanntlich Nuklearwaffen und könnte diese benutzen, um den Saudis einen atomaren Schirm zu gewähren oder gar solche in der saudischen Wüste zu stationieren. In welcher Form dies geschieht bleibt abzuwarten.

Ein weiterer Verlierer ist der Staat Israel, der seit vielen Jahren durch Tehran direkt bedroht wird und eindringlich vor einer iranischen Atombombe warnt. Nun steht Jerusalem vor zwei äussert schlechten Optionen: den Iran als eine Atommacht praktisch zu akzeptieren; durch militärische oder andere Aktivitäten versuchen, die bestehenden nuklearen Kapazitäten des Iran zu beschädigen. Bisher wusste Israel die USA und den Westen auf seiner Seite. Nun muss sich Israel darauf gefasst machen, dass es mit dem Dilemma ziemlich allein steht. Ein Lichtblick dabei sind die gemeinsamen Interessen von Saudi Arabien und Israel, die zu einer gewissen Abstimmung oder Zusammenarbeit führen könnten.

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