Diskrepanz in der Eurozone: Frankreich verliert das Plus beim AA, während Deutschland ein ASS im Export vorzeigen kann

AFP: Bonität rutscht ab / Stimme Russlands: Weltmeiser Deutschland / The Telegraph : Draghi handelt / Paresh Nath in National Herald: ...doch jeder zieht in andere Richtung / Handelsblatt: genug Gegensätze auch im nationalen Rahmen



Just an dem Tag, an dem die Kreditwürdigkeit Frankreichs weiter nach unten abrutscht, hat Deutschland einen Rekordüberschuss beim Export gemeldet. Das ist natürlich eine sehr schmerzhafte Nachricht für die sozialistische Regierung in Paris, die mit dem Anspruch angetreten ist, Arbeitsplätze im eigenen Land zu erhalten. Es ist aber auch für Berlin nicht unbedingt eine gute Nachricht. Denn mit dem beachtlichen Erfolg Deutschlands auf den Weltmärkten wächst die Diskrepanz zwischen den beiden größten Volkswirtschaften in der Eurozone. Das verheißt nichts Gutes für die Bemühungen, die gemeinsame europäische Währung zu stabilisieren und den Krisenländern im Süden des Kontinents massiv zu helfen.



Deutschland und Frankreich müssen unbedingt zusammen agieren, um den Euro wieder zu stärken. Doch die Voraussetzungen für eine eng abgestimmte Politik sind deutlich schlechter geworden, seitdem Präsident Francois Hollande seine sozialen und wirtschaftlichen Reformen eingeführt hat. Die oben genannte Meldung um die Bonität der französischen Republik verdeutlicht diese Entwicklung und belastet die ohnehin schwierige Zusammenarbeit.

In Frankreich wird die Neigung gestärkt, unbedingt Wachstum zu erzeugen - unter anderem durch Lockerung des Kapitalmarktes. In Deutschland dagegen wird die Sorge um die Rücklagen der Sparer zu einem immer wichtigeren politischen Faktor. Diese gegensätzlichen Tendenzen wird man bald nicht mehr überbrücken können. Der Chef der europäischen Zentralbank Mario Draghi scheint die franzöische Haltung zu favorisieren und verfügte extrem niedrige Zinsen.

Das klingt nach einem Aufruf, noch mehr Schulden als bisher zu machen. Zugleich ist das eine Antwort auf die Weigerung Berlins, Eurobonds einzuführen und somit indirekt die Belastungen der Schuldenländer auf die ganze Eurozone zu verteilen. Sparen wird normalerweise als gute Tugend betrachtet. Doch diese ist jetzt nicht angesagt. Wer nun profitieren will, der muss eigentlich mehr Kredite aufnehmen. Für viele Menschen ist das eine verkehrte Welt.

Doch das ist letzlich ein Ergebnis der immer größerwerdenden Diskrepanz in der wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum. Die gemeinsame Währung erzwingt praktisch die Anwendung von Massnahmen, die über die Geldpolitik eine gewisse Angleichung bewirken sollen. Ob es klappt oder nicht ist sehr fragwürdig. Denn in Europa fehlt die politische Solidarität, die im nationalen Rahmen eine Selbstverständlichkeit ist. Somit kommen die Länder der Eurozone näher an den Punkt, an dem sie vor einer klaren Alternative stehen werden - volle wirtschaftliche Integration oder Trennung.

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