Gezielte Tötung von Hakimullah Mehsud: Erfolg für den Westen, Belastung für Pakistan

Voice of Lahore: die Drohne kommt / Pakistan Observer: ...und trifft ihr Ziel / Proteste immer lauter / Statesman: ...wenn die Freiheitsstatue so erscheint / nun protestiert auch die Regieung / Pakistan Tribune: ...und will diese Einsätze nicht mehr dulden



Im Westen feiert man die gezielte Tötung des Taliban-Anführers, Hakimullah Mehsud, als ein großen Erfolg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. In Pakistan dagegen, wo der US-Drohnenangriff erfolgte, kritisiert man die Tötung als Störfeuer in den Bemühungen, einen blutigen Konflikt im Grenzgebiet zu Afghanistan zu beenden. Wie ist diese Diskrepanz zu verstehen? Was steht hinter den ganz unterschiedlichen Betrachtungsweisen?



Zunächst die Fakten, die kaum umstritten sind. Mehsud war ein brutaler Kämpfer, der für den Mord an tausenden Menschen in Afghanistan die Verantwortung trägt. Er schickte reihenweise Selbstmordattentäter, um ganz gezielt viele Tote unter Ziilisten zu verursachen. Er hat viele Einsätze kommandiert, bei denen Angehörige der pakistanischen Streitkräfte ihr Leben lassen mussten. Auf ihn war ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Er hatte viele Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida. Sein Aktionsfeld umfasste auch Teile von Afghanistan, wo seine Leute die NATO Truppen häufig aus dem Hinterhalt angegriffen haben.

Für den Westen wurde ein gefähricher Terrorist eliminiert. Es wird eine Weile dauern, bis andere Aktivisten seiner Organisation die Autoritiät und die Statur eines Mehsud erreichen, um wirksam zu agieren. Al Kaida wurde geschwächt. Ein Mörder wurde bestraft. Taliban-Extremisten in Afghanistan müssten nun einsehen, dass sich der bewaffnete Kampf nicht lohnt. Zu alldem beweist der gelungene Drohnenangriff, dass der Westen und seine Verbündeten in Pakistan über präzise Informationen verfügen, um Anführer der Terroristen direkt zu treffen. Die technologische Überlegenheit, die solchen Angriffen vorausgeht, wurde wieder trefflich demonstriert.

Für Pakistan sieht die Sache ganz anders aus. Zwar stimmt es, dass ein gefährlicher Verbrecher nun nicht mehr die Bürger im Grenzgebiet zu Afghanistan bedrohen kann. Doch damit wurde kein einziges Problem gelöst. Sehr bald wird eine andere Person die Führung der Kommandos übernehmen, denen bisher Mehsud vorstand. Die Taliban werden noch unversöhnlicher als bisher sein. Blutige Racheaktionen sind sehr wahrscheinlich. Die Bemühungen der Zentralregierung, sich mit den Taliban zu arrangieren haben einen schweren Rückschlag erlitten. Drohnenangriffe gelten ohnehin in Pakistan als unzulässig und werden von immer mehr Gruppen und Organisationen kritisiert.

Aus pakistanischer Sicht wurde die Aufgabe erheblich erschwert, eine nationale Versöhnung auf den Weg zu bringen. Diese muss nach Lage der Dinge unbedingt die Taliban miteinbeziehen, die ja direkt oder indirekt ganze Regionen kontrollieren. Schließlich ist klar, dass nach dem baldigen Abzug der NATO aus Afghanistan erhebliche Veränderungen bevorstehen. Die Regierung in Kabul wird gezwungen sein, die Taliban an der Macht zu beteiligen, statt sie wie bisher gewaltsam zu bekämpfen. Die Tötung von Mehsud wird kaum helfen, den  Übergang zu neuen politischen Verhältnissen friedlich zu gestalten.

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