Terroranschläge im Irak: Mit Waffen aus dem Westen sind die Selbstmordattentäter nicht zu stoppen

Sotal Irak: unser Land blutet / ...und gerät zwischen die Fronten / Asabah: Traum gesprengt /...durch solche Selbstmordattentäter / Alef Yaa: Aufruf zum Schutz vor Karikaturisten / Irak Daily: Maliki bettelt in Washington



Der Irak versinkt in Gewalt. Fast täglich erleben Bagdad und andere wichtige Städte Selbsmordattentate. Auf Straßen, auf  Marktplätzen und immer häufiger auch in Moscheen sind viele Tote zu beklagen. Oft weiß man nicht mehr, wer gegen wen kämpft. Die todesbringenden Kommandos scheinen eigenen Richtlinien zu folgen, die von religiösen und sektiererischen Anführern gegeben werden. Selbst gute Kenner der irakischen politischen Szene müssen rätseln, wer hinter einzelnen Gewaltakten steht und was die Motive waren.



Hauptgrund für die zunehmende Unsicherheit ist der anhaltende Konflikt zwischen den großen muslimischen Gemeinden des Landes - Sunniten und Schiiten. Parallel zur gemeinsamen politischen Mitwirkung in der Zentralregierung wird ein erbitterter, bewaffneter Kampf geführt, der in letzter Zeit völlig ausser Kontrolle geraten ist. Extremistische Gruppen in beiden Lagern glauben nicht an Versöhnung und hoffen durch Gewalt die rivalisierende Glaubensgemeinde zu verdrängen. Derzeit fühlen sich eher die sunnitischen Gläubigen im Nachteil. Doch die Gewalt kommt von beiden Seiten und wird anhalten, solange keine breite Verständigung zwischen den Glaubensrichtungen erzielt werden kann.

Weitere Gründe für die chaotische Situation sind über die Grenzen des Irak hinaus zu suchen. Durch den Bürgerkrieg in Syrien ist der Irak in vielfacher Hinsicht hart betroffen. Über die lange Grenze kommen immer wieder Flüchtlinge. Die syrischen Rebellen benutzen zunehmend irakisches Territorium als Operationsbasis und finden hier Alliierte unter ihren sunnitischen Glaubensgenossen. Die schiitisch-dominierte Regierung in Bagdad scheint dagegen bereit zu sein, sich mit dem syrischen Präsidenten Bashar Assad zu arrangieren. Die Nachbarländer Iran und die Türkei nutzen die Schwäche des irakischen Staates, um eigene Interessen zu verfolgen. Saudi Arabien und Jordanien trägt die Sorge, dass die Instabilität im Irak überschwappt und die arabischen Monarchien gefährdet.

Der irakische Ministerpräsident Nuri Maliki besucht derzeit Washington und fordert verstärkte westliche Hilfe im Kampf gegen Terror in seinem Land. Doch genau das ist der falsche Ansatz. Selbstmordattentäter wird der Irak mit weiteren Waffenlieferungen aus den USA nicht bekämpfen können. Dazu braucht der Irak einen nationalen Dialog, der allein von irakischen Bürgern und im Irak selbst geführt werden muss. In Washington können weder der Präsident noch die Senatoren richtig nachvollziehen, worum es genau bei den internen Rivalitäten in Bagdad geht. Schlichten können sie schon gar nicht. Die militärische Ausrüstung, die sie zur Verfügung stellen, taugt keineswegs, um die Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten zu entschärfen.

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