Wird nun auch Israel vom Westen verlassen? Eine neue Nachdenklichkeit setzt ein

Israel under Fire: iranische Charmeoffensive wirkt / Shlomo Cohen in Offiziere: Obama geschwächt / Ronny Gordon in Ma'ariv: Evolution des arabischen Kampfes gegen Israel / Shai Cherka in Ma'ariv: Optimismus ist alles!



Gestern habe ich darüber berichtet, dass sich mein Geburtsland Ägypten vom Westen zunehmend verlassen fühlt. Prompt nach der Veröffentlichung bekam ich viele Reaktionen. Leser haben mich dazu aufgefordert, eine ähnliche Analyse in Bezug auf mein Land Israel zu machen. Ich habe versprochen, einen kurzen Beitrag zum Thema zu schreiben. Doch ehrlich gesagt mache ich das äusserst ungern. Ich will partout nicht behaupten, dass sich auch der jüdische Staat vom Westen verlassen fühlt.



Allerdings kann ich nicht die Augen davor verschließen, dass sich die Realitäten grundlegend ändern. Bei den Verhandlungen mit dem Iran vertritt nun der Westen eine Haltung - allen voran ausgerechnet die USA! - dass man eine schiitische Fast-Bombe in der Region dulden darf. Hat das aufpolierte Image des Iran den Westen verblendet (erste Zeichnung in der Galerie)? Jedenfalls erleben wir eine Zäsur, die den Nahost wohl langfristig verändern wird. Hauptverantwortlich dafür ist US-Präsident Barack Obama, der sich gezwungen fühlt, unbedingt ein Abkommen zu erzielen - koste es was es wolle. Dafür widerum ist die Schwäche des Präsidenten verantwortlich, die in der zweiten Zeichnung gezeigt wird.

Auch in Europa steht Israel nicht gerade gut da. Die unzutreffende Darstellung des arabisch-israelischen Konflikts in den Medien wird immer gravierender. Über die jüdischen Flüchtlinge aus Arabien - die knapp die Hälfte des israelischen Bevölkerung ausmachen! - verliert man kaum ein Wort. Das passt nicht ins gewünschte Bild. Die Dämonisierung Israels nimmt zu. Der Mann, der bald Vizekanzler in Deutschland wird - Siegmar Gabriel - beteiligt sich aktiv an der hässlichen Kampagne zur Delegitimierung des jüdischen Staates. Der bewaffnete Kampf gegen Israel, der mit immer raffinierteren Methoden geführt wird (dritte Zeichnung), wird vielfach als Märtyrertum gefeiert.

All das ist natürlich besorgniserregend. Da vermischen sich politische Sachzwänge mit wirtschaftlichen Interessen sowie mit gutbetuchten Medienkampagnen und altem Hass auf Juden zu einer gefährlichen Brühe. Das kann und darf man nicht übersehen. Insofern gebe ich meinen besorgten Lesern Recht. Doch halt - das ist nicht die ganze Realität. Noch hat Israel Freunde im Westen. Noch kann man die falschen Tatsachenbehauptungen korrigieren. Ich selbst tue es fast täglich. Noch kann Israel optimistisch in die Zukunft blicken (vierte Zeichnung). Im Übrigen ist Israel dabei, seine Beziehungen mit China und Indien auf allen Ebenen zu intensivieren. In diesen Ländern sind alte Muster gegen Juden praktisch unbekannt.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Obama in Israel: was kann die USA im Nahen Osten bewegen?

So geht die Süddeutsche Zeitung mit der Wahrheit um

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