Syrien, Iran und die Schwäche des Westens: Worauf und warum wartet Arabien noch?

Derek Bacon in Economist: dieser Löwe ist schwach / Al Yaum: Arabien soll selbst handeln / Al Hayat: USA verhandeln mit dem Feind / Al Madina: ...bei dem der Countdown läuft / Al Riyadh: ...und gefährliche Brühe bereits kocht / Naseej: auf UNO ist sowieso kein Verlass



In arabischen Medien hagelt es Kritik an den USA und dem Westen insgesamt. Das ist üblich. Fast schon Routine. Jeder, der sich mit dem Orient beschäftigt, hat sich bestimmt daran gewöhnt. Doch in diesen Tagen ist die Kritik besonders heftig. Die sunnitisch-arabische Welt ist darüber erbost und empört, dass die Amerikaner dem Iran gegenüber Schwäche und Nachgiebigkeit zeigen (tatsächlich oder angeblich - das ist wiederum ein anderes Thema). In diesem Zusammenhang erwähnen arabische Medien immer wieder das Beispiel Syrien.



Sie behaupten fast unisono: Der Einsatz von chemischen Waffen durch das alawitische Regime von Präsident Baschar Assad in Syrien wurde letztlich hingenommen. Die Drohungen aus dem Westen waren ein Papiertiger. Machthaber Assad wurde nicht bestraft und kann den Krieg lustig fortsetzen. Das tut er ja auch - und zwar mit beachtlichen militärischen Erfolgen. Dabei werden seine russischen Alliierten dafür Sorge tragen, dass er nicht ernsthaft gezwungen wird, sein Arsenal an Giftgas zu zerstören.

In blumiger Sprache wird erläutert, dass die jüngsten Abrüstungspläne einfach zu kompliziert sind und in der Praxis nicht umgesetzt werden können. Die Konsequenz ist natürlich, dass auch die Iraner nicht mehr fürchten müssen, für ihr Nuklearprogramm zu militärischen Zwecken bestraft zu werden. Im Schatten der Charmeoffensive von Präsident Hassan Rouhani können sie unbegrenzt Zeit gewinnen, bis die Bombe zuende gebastelt wird. Und wer trägt die Schuld? Klar - der Westen!

Wenn ich Araber wäre, würde ich dem entgegenhalten: Moment mal, das verstehe ich nicht ganz. Wir Araber sind fast dreihundert Millionen an der Zahl. Wir verfügen über mehr als zwanzig Staaten. Wir befinden uns in direkter Nachbarschaft sowohl zu Syrien als auch zu Iran. Wir sind in der arabischen Liga organisiert, die ein anerkannter internationaler Partner ist. Wir haben immer klar und wortstark gefordert, dass der Iran sein Atomprogramm offenlegt und nachweislich keine Nuklearwaffen mehr entwickelt.

Niemand hindert uns daran, selbst tätig zu werden. Zusammen sind wir bestimmt stärker als Syrien und Iran. Die ägyptische Armee ist bei Weitem die größte in der Region. Die Golfstaaten verfügen über modernste militärische Technologie. Wir sind bis an die Zähne bewaffnet. Wir müssen nicht gleich Bomben abwerfen - das meine ich nicht. Doch wir können unser militärisches Potential sehr gut nutzen, um Druck auf Syrien und den Iran auszuüben. Wir können Bedingungen formulieren und mit einem Schlag drohen, falls sie nicht erfüllt werden. Warum warten wir auf den Westen, der unsere Belange nicht richtig nachvollziehen kann und ohnehin seine Ruhe haben will?

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