Twitter Twitter an der Wand, warum bist Du nicht in unserem Land? (Twitter-Anfrage an Hassan Rouhani) / Netanyahu on Rouhani: „The king is naked“

Dave Brown in Independent: Rouhani frei nach Ingres / Rouhani Website: schön bunt! / Twitter Rouhani: der Präsident im Einsatz / Amos Biederman in Ha'aretz: Netanyahu kommt nach New York / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: ...das inzwischen von Rouhani erobert wurde / "Der König ist nackt" / Mein heutiger Twitter an Rouhani



Ehrlich gesagt bin auch ich fast begeistert. Der iranische Präsident Hassan Rouhani spricht mit der Welt, wie sich das gehört. Er ist ein anständiger Kerl. Er wählt die richtigen Worte. Er demonstriert Offenheit. Er propagiert Dialog, Abrüstung, Frieden, Zusammenarbeit und dergleichen. Er zeigt sich modern. Er benutzt sogar sehr häufig sein Twitter Account, um seine Sprüche zu verbreiten.



Letzteres ist der springende Punkt. Es irritiert mich sehr, dass Hassan Rouhani so häufig und so prominent die Dienste des amerikanischen Netzwerks benutzt. Denn in seinem eigenen Land, im Iran, ist es den Menschen nicht erlaubt, sich bei Twitter oder Facebook zur Geltung zu bringen. Da stimmt also etwas nicht. Allein schon dieser Umstand zeigt, dass Rouhani hier ein ganz schlimmes Doppelspiel betreibt. Mit der Welt draussen kommuniziert er als der große Reformator, Freiheitskämpfer und Friedensengel. In Tehran selbst aber duldet er Unterdrückung und Verbote, die im krassen Gegensatz zu seinem aufpolierten Image stehen.

Meine Begeisterung hält sich also in Grenzen. Ich hoffe, dass auch Sie meine Bedenken verstehen. Charmeoffensive hin oder her - wir sollten gemeinsam versuchen, etwas genauer hinzuschauen. Rouhani hat es uns sehr erleichtert, indem er ausgerechnet Twitter wählte, um seine Botschaften täglich oder gar stündlich zu verbreiten. Twitter benutze ich ja auch. Ich kenne mich gut aus. Doch würde ich nie auf die Idee kommen, Andersdenkenden, Gegnern oder gar Feinden den Zugang zu diesem Dienst (und übrigens auch zu Facebook) zu verbieten. Wenn es so wäre, würde ich meine Glaubwürdigkeit auf der Stelle verlieren. Ich wäre am Ende.

Bei dieser Gelegenheit ist Kritik an den Medien angebracht. Soweit ich gesehen und gehört habe, wurde Rouhani nicht von Journalisten mit dem Umstand konfrontiert, dass sein Twitter Account ein Privileg darstellt, das nur für eine bestimmte Schicht von Iranern reserviert ist. Nämlich für loyale Staatsdiener wie er selbst, die den Zielen der Ayatollahs verpflichtet sind und sich ihrer Autorität total beugen. Aus meiner Sicht ist das momentan die allerwichtigste Frage. Fast noch wichtiger als die Kleinigkeit, warum die Anreicherung von Uran unvermindert weitergeht, obwohl der Iran angeblich nicht das Ziel verfolgt, eine Atombombe zu bauen.

Ich schließe diese kurze Analyse mit einem Spruch, der oben links von dem begabten Karikaturisten Dave Brown so kunstvoll grafisch dargestellt wird: Des Kaisers neue Kleider. Das trifft heute auf Rouhani zu. Doch wir geben ihm gerne die Chance, die Twitter Dienste für alle Iraner zugänglich zu machen und den Bau der Atombombe noch rechtzeitig zu stoppen. Eigentlich rechne ich fest mit ihrem Einveständnis - wobei Widersruch (und hoffentlich auch Zustimmung) gerne erlaubt sind. Benutzen sie bitte dazu den unten stehenden Link zu meinem Twitter Account, soweit es das Regime in Ihrem jeweiligen Land noch nicht gesperrt hat.

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