In Syrien bleibt alles beim Alten: entweder Assad oder Assad

Wuerker in Politico: Glaubwürdigkeit verfliegt / ein Votum im Congress immer unwahrscheinlicher / Steve Bell in Guardian: Mission - syrisches Potential abbauen  / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: Angriffspläne gefaltet



Im Ergebnis wäre es sicherlich gut, wenn sich die angekündigten Pläne tatsächlich verwirklichen lassen: das syrische Arsenal an chemischen Waffen wird vollständig zerstört. Das syrische Regime wird nicht mehr in der Lage sein, die eigene Bevölkerung - und eventuell auch Nachbarstaaten - mit Giftgas zu bedrohen und anzugreifen. Diese Ziele werden erreicht, ohne dass die USA und Frankreich auch nur einen einzigen Schuss abfeuern müssen.



Diese fast paradiesische Vorstellung kann man weiterspinnen. Das Regime und die Rebellen beugen sich dem internationalen Druck und beginnen endlich einen Dialog. Die seit langem geplanten Genf Gespräche werden unter UNO-Aufsicht geführt. Syrien kommt aus dem Teufelskreis Schlag und Gegenschlag wieder raus. Eine Regierung der nationalen Einheit wird gebildet, die das Land in einer Interimsphase führt. Der blutige Bürgerkrieg endet in Versöhnung.

Doch diese wunderschöne Entwicklung ist alles anders als realistisch. Sie ist eher illusorisch. Die Gegensätze unter den rivalisierenden Parteien in Syrien sind durch Abmachungen zwischen Russland und den USA keineswegs zu überbrücken. Die Stammesfehden und die religiösen Konflikte sind einfach viel zu gravierend. Sie werden auch nach dieser scheinbar gelungenen Runde weiterbestehen und gewaltsam ausgetragen werden. Ein Kompromiss ist leider nicht in Sicht.

Die kurzzeitige, wahrscheinliche Zukunft Syriens sieht anders aus: Entweder setzt sich das Regime doch noch durch und schafft es, seine Autorität im ganzen Land wiederherzustellen. Dann kocht die Rebellion auf kleiner Flamme immer weiter, Syrien bleibt aber wie früher einigermassen stabil; Oder Syrien wird in Einflusszonen gespalten, was praktisch der aktuellen Situation entspricht. Alawiten, Sunniten, Kurden, Drusen und möglicherweise andere Volksgruppen bleiben zwar höchst zerstritten - ziehen sich aber in ihre autonommen Gebiete zurück und beenden somit den offenen Bürgerkrieg.

Was geschieht mit dem giftigen Arsenal an chemischen Waffen? Dieses wurde bereits gut versteckt oder zum erheblichen Teil ausser Landes geschafft. Der Rest - doch nur ein Rest - wird vor Kameras der Weltpresse feierlich zerstört. Im Ergebnis wird deutlich, dass die amerikanische Aussenpolitik an Glaubwürdigkeit verloren hat. Rote Linien wurden aufgezeichnet, sie konnten aber nicht eingehalten werden. Russland ist es dagegen gelungen, die diplomatische Führungsrolle zu übernehmen und seinen Schützling Bashar Assad wirksam zu stärken.

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