Die Akte I (syrisches Giftgas) ist zugleich die Akte II (iranisches Nuklearprogramm)

Alalam, Tehran: Welt über Syrien gespalten / Obama macht Krieg / ...allerdings unwirksam / Konfusion in den USA / Ronny Gordon in Ma'ariv: Cameron ist nicht gerade Churchill / unwilliger Cowboy Obama / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: Assad erdolcht, Obama droht & wartet / Time, Economist: eingreifen oder nicht?



Es wird immer deutlicher: die mögliche Reaktion bzw. die Unterlassung einer klaren Antwort auf den Giftgaseinsatz durch das syrische Regime (Akte I) kann man schlecht vom Thema Nuklearprogramm des Iran (Akte II) trennen.



Das zeigen die Stellungnahmen, die in den letzten Tagen aus dem Iran selbst kommen. Tehran sieht sich vorläufig entlastet, weil die USA und der Westen scheinbar (zunächst nur scheinbar) sich scheuen, den syrischen Präsidenten Bashar Assad zu bestrafen. Die Ayatollahs fühlen sich bestätigt und wollen unbeirrt ihre Atompläne fortzsetzen. Aus ihrer Sicht ist das die logische Konsequenz dessen, was zur Zeit eine zögernde Haltung und Unentschlossenheit des Westens zu sein scheint.

Ein weiterer, gewichtiger Grund für die enge Verbindung zwischen Akte I und Akte II ist die enge Zusammenarbeit zwischen Syrien und Iran, die auf eine jahrzehntealte Allianz zurückgeht. Bei dem gegenwärtigen Bürgerkrieg in Syrien kämpft der Iran aktiv auf Seite der Regierung und gegen die Rebellen. Iranische Offiziere und Fachleute befinden sich vor Ort und dirigieren zum erheblichen Teil die Kampfhandlungen. Die libanesische Hizbollah - praktisch ein Iran-Proxi - mischt krätig mit, und zwar mit großen Kampfeinheiten.

Am wichtigsten aber ist der Umstand, dass es sowohl bei Akte I als auch bei Akte II um Massenvernichtungswaffen geht. Hier haben die internationale Gemeinschaft und höchst persönlich auch der amerikanische Präsident eine rote Linie gezogen. Zu Akte I heißt es, dass der Einsatz von chemischen Waffen ein Tabu bricht. Zu Akte II heißt es, dass bereits die Produktion von Atomwaffen ein Tabu bricht. Wenn man zu Akte I schweigt, nimmt man zwangsläufig in Kauf, dass man auch bei Akte II untätig bleibt.

In der aktuellen Debatte über Akte I wurde Akte II bisher viel zu wenig beachtet. Nun kommt sie aber immer stärker in den Vordergrund. Die Verbindung ist logisch und soll konsequent beachtet werden - zumal der Iran in Syrien geholfen hat, Giftgas herzustellen und die Depos kampfbereit zu halten. Auch hat der Iran dem syrischen Regime geholfen, ein eigenes Nuklearprogramm zu entwickeln, das allerdings inzwischen durch eine israelische Intervention zunächst gestoppt wurde.

Nicht nur der amerikanische Kongress sondern der ganze Westen - eigentlich die ganze internationale Gemeinschaft - stehen vor der Frage, ob sie Akte I und Akte II dulden können oder nicht. Es war eine nette Geste, die UN-Inspektoren von Damascus nach Europa auszufliegen. Doch dieser Beitrag allein ist noch lange keine passende Antwort auf den Giftgaseinsatz in Syrien sowie auf das militärische Atomprogramm des Iran.

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