Giftgaseinsatz in Syrien und die Entscheidung, nicht zu entscheiden: so wird die westliche Haltung im Orient wahrgenommen

Fahd Khamissi in Al Eqtisadiah, Riyadh: Schüler Obama kann Befehl nicht unterschreiben / Shlomo Cohen in Israel Ha'yom: Congress-Los soll entscheiden / Dagistan Cetinkaya in Zaman, Istanbul: Obama mit Gasmaske /  Osman Turhan: Sieger im syrischen Bürgerkrien / Ronny Gordon in Ma'ariv: Cowboy Obama



Der Westen hat eine Intervention in Syrien auf die lange Bank geschoben. Die Intervention ist zunächst für Wochen vertagt. Sie ist völlig ungewiss. Sie wird vielleicht irgendwann in Zukunft stattfinden. Sie wird vielleicht auch gar nicht stattfinden. Kein Mensch weiß es. Nicht mal der Präsident der Supermacht USA.



Was bedeutet diese Entwicklung für die Hauptakteure im Syrien-Konflikt?

Der syrische Präsident Bashar Assad kann aufatmen. Die amerikanische Entscheidung, nicht zu entscheiden, entlastet ihn erheblich. Er kann aus der Deckung kommen. Er kann mit unverminderter Härte die Rebellen bekämpfen. Er kann sich zudem noch besser als bisher auf eine westliche Strafaktion vorbereiten, die möglicherweise doch noch kommt - wenn auch erst (frühestens) in zwei Wochen je nachdem.

Die Rebellen in Syrien sind enttäuscht. Nun wissen sie ziemlich genau, dass die Rettung nicht vom Westen kommt. Allerdings stärkt sie das in ihrer Entschlossenheit, den bitteren Kampf noch intensiver als bisher zu führen. Sie können sich nur noch auf sich selbst verlassen. Sie haben aus ihrer Sicht nichts zu verlieren.

Der Iran freut sich ganz offen und sieht in der Nicht-Entscheidung ein deutliches Signal, dass der Westen an Glaubwürdigkeit verliert. Das hat Konsequenzen in Bezug auf die wiederholten Warnungen, kein militärisches Atomprogramm zuzulassen. Tehran sieht eine Schwäche, die es für seine Ziele wohl ausnutzen wird. Die iranische Bombe rückt näher.

Saudi Arabien und die Türkei - die wichtigsten Unterstützer der Rebellen - stehen vor einer ganz neuen Situation. Bisher haben sie fest damit gerechnet, dass der Westen doch interveniert und für sie die Aufgabe praktisch übernimmt, Bashar Assad zu entmachten. Nun verlieren sie die Hoffnung, dass dies in absehbarer Zeit geschieht.

Letzteres ist die beste Nachricht der letzten Stunden. Araber und Muslime müssen endlich einsehen, dass sie ihre eigenen Belange unter sich erledigen müssen - ohne aktive Mitwirkung des Westens. Nun stehen sie ernsthaft vor der Frage, ob sie selbst intervenieren oder nicht. Für die arabische und muslimische Welt schlägt die Stunde der Wahrheit. Besseres kann ihnen eigentlich nicht passieren.

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