Giftgaseinsatz in Syrien: auch der Iran verurteilt – und warnt den Westen vor Intervention

Tehran Times: auch Iran verurteilt Giftgaseinsatz / Alalam, Tehran: was tut Obama? / Intervention wird vorbereitet / auch Libanon brennt / UNO wird so als einseitig dargestellt



Es ist echt merkwürdig: alle, aber auch alle, verurteilen die Nutzung von Giftgas im Bürgerkrieg in Syrien. Die Europäer verurteilen. Die USA verurteilt. Russland verurteilt. Die arabische Welt verurteilt. Der syrische Präsident Bashar Assad verurteilt. Die Rebellen in Syrien verurteilen. Man könnte leicht eine große Koalition der Verurteiler bilden.



Nur über ein kleines Detail ist man sich nicht ganz einig: wer eigentlich hat Giftgas und chemische Waffen eingesetzt? Das syrische Regime? Die Rebellen? Experten trauen beiden Seiten zu, dieses schreckliche Mittel zu benutzen, um den Gegner zu beseitigen. Doch es ist sehr schwierig Beweise vorzulegen. Man kann ja täuschen. Man kann manipulieren. Man kann auch gestellte Bilder als Wahrheit präsentieren.

An sich hat Bashar Assad keinerlei Interesse, Giftgas einzusetzen. Denn das könnte eine westliche Intervention hervorrufen und sein politisches Ende bedeuten. Dagegen hätten die Rebellen ein starkes Interesse daran, den Giftgaseinsatz dem Regime in die Schuhe zu schieben. Damit würden sie den Westen wachrütteln und einen militärischen Schlag durch die USA, Frankreich und Großbritannien provozieren.

So kompliziert und unübersichtlich ist die Lage. Es gibt keine absolute Klarheit darüber, wer tatsächlich Chemiewaffen nutzte. Es gibt aber eine ziemliche Klarheit darüber, wem es momentan hilft, den Westen zu einem Engagement zu bewegen. US Präsident Barack Obama steckt in der Zwickmühle. Ein Angriff auf Syrien hätte unübersehbare, schlimme Folgen. Andererseits will und kann er sich nicht den Vorwurf einhandeln, er habe auf die menschliche Tragödie in Syrien gar nicht reagiert und lässt zu, dass das Morden weitergeht.

Besonders interessant ist die Stellungnahme der iranischen Führung. Iran steht ja seit Jahren in der Kritik, weil er sein Atomprogramm nicht offenlegt und auf dem Weg ist, Kernwaffen zu produzieren. Nun findet der Iran einen guten Anlass, sich der internationalen Empörung über den Einsatz von chemischen Waffen anzuschließen. Das bringt positive Aufmerksamkeit und lenkt von der eigenen Problematik etwas ab.

Für Iran ist natürlich klar, wer im Konflikt in Syrien Giftgas einsetzt. Das sind selbstverständlich die Rebellen, die von einer Reihe arabischer Staaten sowie von der Türkei tatkräftig unterstützt werden. Doch Hauptziel der iranischen Verurteilung ist die USA - aus der Sicht der Ayatollahs die Inkarnation des Bösen, die die schlimme Lage in Syrien zu verantworten hat. Indirekt dient diese Verurteilung dem Zweck, die USA und den Westen zu warnen.

Bei einer Intervention zugunsten der Rebellen wird es höchstwahrscheinich nicht bei Worten bleiben. Eine Niederlage des vom Iran massiv unterstützten syrischen Präsidenten wird nicht tatenlos hingenommen. Tehran signalisiert, dass es auf jeden Fall reagieren wird. Damit muss man in der Tat fest rechnen.

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