Das Doppelspiel der Islamisten in Ägypten; meine Geburtsstadt Cairo in Flammen

Ahram: Islamisten kommen / Al Ahaly: ...und werden von USA gelobt! / nun beseitigen WIR den Terror / Belle Mellor in Guardian: wie hier im Sinai / Shabib Misr: Cairo brennt / Al Mesryoon: wer wird der nächste Präsident? / Ronny Gordon in Ma'ariv, Tel Aviv: der Nahost platzt; Israel versucht, doch noch zu reparieren



Die Taktik der Muslim Brotherhood zur Machtübernahme in Ägypten war sehr raffiniert: einerseits einen brutalen Krieg gegen die ägyptische Regierung und Armee zu führen; andererseits in Cairo selbst einigermassen friedlich zu protestieren, um Sympathie und Unterstützung im Westen zu bekommen. Mit diesem Doppelspiel hat nun der starke Mann Ägyptens General Sisi Schluss gemacht.



Der Krieg wurde und wird auf der Halbinsel Sinai geführt, die weitgehend von Islamisten kontrolliert wird. Dort wurde die Bevölkerung eingeschüchtert, um im Sinne der Muslim Brotherhood gegen die eigene Zentralmacht in Cairo zu agieren. Dort horten die Islamisten seit Jahren sehr viel Waffen und Munition. Dort führten sie Regie bei Anschlägen, Tötungen, Drogenkriminalität, Menschenhandel und Handel mit Organen. Von dieser Hochburg aus sollte irgendwann ganz Ägypten eingenommen werden, um ein modernes Kalifat zu errichten.

In einigen Zentren von Cairo versammelten sich gleichzeitig "friedliche" Demonstranten, um Bilder zu liefern, die die westliche Welt braucht: betende Menschen; Frauen und Kleinkinder in Zelten; unerträgliche sanitäre Bedingungen; gespielter Widerstand gegen die angebliche Brutalität der Sicherheitskräfte, die immer wieder aus dem Hinterhalt angegriffen wurden. Diese Taktik hat sich weitgehend ausgezahlt. Die Islamisten wurden in den Medien als Kämpfer für Menschenrechte sowie für Demokratie dargestellt.

Der Westen ist in die Falle der Islamisten gegangen. Aus Washington und aus europäischen Hauptstädten kamen immer wieder Aufrufe zur "Mässigung" sowie zur "Wiederherstellung der demokratischen Institutionen".  Die EU-Aussenministerin hat mit einem spektakulären Besuch bei dem abgesetzten Präsidenten Mohamed Morsi der Muslim Brotherhood den Rücken gestärkt. Die Entscheidungsträger in den USA und Europa haben die Lage völlig falsch eingeschätzt. Im Bürgerkrieg am Nil befanden sie sich plötzlich auf der Seite derjenigen, die Frauen unterdrücken, die Scharia einführen wollen und Terror als Mittel der Politik seit vielen Jahren anwenden.

Die neue ägyptische Führung hat lange gezögert. Nun hat sie aber gehandelt. Damit sagt sie uns: keiner weiß besser als wir in Cairo, wie die Verhältnisse tatsächlich sind. Keiner kann die akute Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft besser als wir einschätzen. Das von langer Hand geplante Chaos in der Hauptstadt muss ein Ende haben. Wir sind fest entschlossen, die islamistischen Banden im Sinai zu bekämpfen. Bevormundung aus dem Westen müssen wir ignorieren. Ägypten muss vom Zugriff der Islamisten gerettet werden.

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