Tränen & Selbstkritik: die arabische Welt hinterfragt, wo die Fehler liegen

Aphasia: Zustand arabische Welt / Stavro in Al Balad: ...lässt Tränen vergiessen / Habib Hadad in Al Hayat: Revolution entgleist / Al Hawyah: sektiererischer Krieg im Yemen / ...wird von Saudi Arabien unterstützt / Aldeen im Yemen Times: Korruption frisst uns / Al Anba: Modell Türkei versagt



Die sogenannte Arabische Revolution gilt vorerst als gescheitert. Dafür spricht Einiges. Chaos und Unsicherheit charakterisieren die Lage in weiten Teilen Arabiens. In Syrien, in Libyen, im Yemen, im Irak und anderswo gibt es Zustände, die mehr oder weniger als Krieg bezeichnet werden müssen. Die Wirtschaftsleistung des größten arabischen Landes, Ägypten, ist erheblich zurückgegangen. Touristen bleiben aus. Viele Menschen erleben Not, Armut oder gar Hunger.



Dennoch gibt es auch gute Anzeichen. Allen voran der Umstand, dass die Araber (insgesamt gesehen) selbstkritischer geworden sind. Das kommt sehr deutlich in arabischen Medien zum Ausdruck. Dort findet man immer weniger Behauptungen, dass Kräfte von Aussen für den aktuellen, miserablen Zustand verantwortlich sind. Es wird nicht mehr so häufig wie in der Vergangenheit versucht, die schlechte Situation in einzelnen Länder auf den arabisch-israelischen Konflikt zurückzuführen.

Es gibt immer mehr mutige und ehrliche Stimmen, die in der eigenen Geschichte und im eigenen Glauben die Antworten auf drängendste Fragen suchen. Etwa: was haben wir Araber falsch gemacht? Warum ist uns der Anschluss an die Modernität nicht geglückt? Woran lagen und liegen die Fehler? Was können und müssen wir an uns selbst ändern, um doch noch nach Vorne zu kommen? Gibt es etwa in der Auslegung unserer Religion etwas, das Hindernisse schafft und Fortschritt bremst?

Diese ständige Hinterfragung ist eindrucksvoll. Nach meiner Überzeugung ist sie die bisher wichtigste Errungenschaft der Umwälzungen in den letzten drei Jahren. Wenn sich die Anzeichen der Selbstkritik mehren, wird die arabische Welt auf einem guten Weg sein. Sie wird sich dann von Innen und aus eigener Kraft reformieren. Dabei wird sie kein schwieriges Thema aussparen können. Schon gar nicht das zentrale Thema Rechte für Frauen. Immer mehr Araber erkennen bereits, dass die fehlende Gleichberechtigung der Frauen die dringend notwendigen Reformen unmöglich macht.

Die hier beschriebene Entwicklung steht übrigens im Gegensatz zum europäischen Trend. In Europa werden zunehmend "die Juden" - meist in der Form des jüdischen Staates - von vielen Politiker, Intelektuellen, Medien und Organisationen in ihre traditionelle Rolle als Sündenbock gedrängt. Gibt es etwa Probleme zwischen dem chrstilich geprägten Westen und dem muslimisch geprägten Orient? "Die Juden" sind dafür verantwortlich. Dieser traurigen Tendenz kann man am besten durch eine sachliche, authentische Berichterstattung aus Arabien selbst entgegenwirken.

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