Gibraltar Betonblöcke als Stein des Anstosses: dieses Überbleibsel des Kolonialismus wird vorerst bleiben

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Diesmal dreht sich der Streit um große Betonblöcke mit Metallstacheln, die die Regierung von Gibraltar in spanischen Gewässern abwirft, um ein künstliches Riff zu schaffen. Somit gibt es buchstäblich Steine eines neuen Anstosses, der die alte Konfrontation wiederbelebt und zu unerträglichen Gegenmassnahmen führt. Spanien verstärkte die Grenzkontrollen zu Gibraltar und lässt Reisende stundenlang in ihren Autos sitzen. Demnächst will Madrid auch noch eine Einreisegebühr von 50 Euro pro Fahrzeug kassieren. Mit diesem wirtschaftlichen Druck soll die britische Kolonie in die Knie gezwungen werden.



An Argumenten für die spanischen Aktionen fehlt es nicht. Angeblich behindert das neue künstliche Riff spanische Fischer an ihrer Arbeit und verursacht hohe Verluste. Zudem entstehen für Madrid erhebliche finanzielle Nachteile dadurch, dass viele Menschen in Spanien zwar residieren, doch in Gibraltar arbeiten und dort Steuer zahlen. Ganz davon zu schweigen, dass Gibraltar als Steueroase gilt, die von der engen Nachbarschaft zu Spanien profitiert jedoch die großen Vorteile für sich allein einbehält.

Zusammengefasst münden die spanischen Argumente in die klare Forderung, die Anomalie zu beenden, die Gibraltar auf der iberischen Halbinsel darstellt. Aus spanischer Sicht ist Gibraltar ein durch Großbritannien besetztes Gebiet. Die Anwohner dort sind zum großen Teil Siedler und ihre Nachkommen, die während der Kolonialzeit eingewandert sind. Dieser Zustand ist für Madrid nicht akzeptabel. Historisch und geografisch gehört Gibraltar eindeutig zu Spanien. Es ist an der Zeit, dieses Überbleibsel des Kolonialismus zu beseitigen.

Doch Großbritannien hat gute Gegenargumente - allen voran der Hinweis darauf, dass die Bürger von Gibraltar den Verbleib des Fels unter britischer Herrschaft wünschen. Für London kommt ein Souveränitätsverzicht nicht in Frage. Zu wichtig ist die strategische Lage von Gibraltar für Großbritannien, das sich immer noch als eine Großmacht versteht und mehrere andere Kolonien besitzt. Nicht umsonst unterhält Großbritannien eine atomare Streitmacht. Nicht umsonst behält es einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat der UNO.

Wenn ich schlichten sollte, würde ich instiktiv die spanische Position unterstützen. Gibraltar ist in der Tat ein Überbleibsel des Kolonialismus. Sein jetziger Status ist auf lange Sicht nicht haltbar. Es müsste von sich aus den Weg finden, wieder in Spanien eingegliedert zu werden. Doch in dieser Argumentation gibt es einen Haken, der die Namen Ceuta und Melilla trägt. Es sind die spanischen Kolonien in Afrika, und zwar auf marokkanischem Gebiet. Sein Anspruch auf Souveränität in diesen alten Siedlungen untermauert Spanien genau mit dem selben Argument, das Großbritannien für Gibraltar verwendet - "die Mehrheit will uns haben". Insofern ist der Streit unlösbar. Die Überbleibsel der Kolonialismus (Gibraltar, Ceuta, Melilla) werden vorerst bleiben.

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