Der Iran zwischen Hoffnung und Selbsttäuschung: neuer Präsident ist noch lange kein neuer Iran

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Heute morgen habe ich mehrere hoffnungsvolle Kommentare zur Situation im Iran gelesen. Anlass war die Amtseinführung des neuen iranischen Präsidenten Hassan Rouhani, die viele Hoffnungen auf Veränderungen weckt. Schlaue Kenner des Iran hoffen. Deutschland hofft. Österreich und die Schweiz hoffen natürlich auch. Die europäische Union hofft. Selbst die USA hoffen auf einen Wandel.



Sie glauben wohl nicht, dass ich hinterherhinke. Natürlich hoffe ich mit! Möge der neue Präsident seinen Einfluss geltend machen, damit sich der Iran endlich reformiert. Öffentliche Hirichtungen auf dem Marktplatz sollen der Vergangenheit angehören. Drakonische Strafen wie Auspeitschen und Amputationen sollen aus dem Gesetzbuch gestrichen werden. Frauen sollen den Männern gleichgestellt werden und mitunter das Recht haben, ihre Kopfbedeckung abzulegen, wenn sie es wünschen. In der Aussenpolitik soll sich der Iran nicht mehr in Syrien und im Libanon einmischen. Der Iran soll auch sein Ziel aufgeben, ein Atomprogramm zu militärischen Zwecken zu verfolgen.

Doch so schön Hoffnungen sind - sie allein reichen kaum aus, um eine begründete Aussicht auf eine bessere Entwicklung zu untermauern. Um Zuversicht zu bekommen, habe ich mehrere Stunden Bilder und Texte angeschaut, die hauptsächlich aus dem Iran stammen. Ich habe insbesondere nach Berichten gesucht, die Lichtblicke bedeuten könnten. Bewegt sich etwas? Gibt es einen neuen Stil? Gibt es Grund zu glauben, dass Rohani etwas von dem anstrebt, was ich oben genannt habe? Hat er selbst oder seine Gefolgsleute optimistische Hinweise in der gewünschten Richtung gegeben?

Fürs Erste wurde ich nicht unbedingt ermutigt. Was ich in den iranischen Medien gefunden habe war die alte, übliche Szene. Viele Männer in dunklen Anzügen oder traditionellen Bekleidungsstücken feiern den neuen Präsidenten, der seine Autorität praktisch vom geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bestätigt bekam. Frauen waren weit und breit kaum zu sehen, und wenn überhaupt halb oder ganz vermummt. In Äusserungen der letzten Tage wiederholte Rohani Forderungen und Drohungen, die auch unter seinem Vorgänger zu hören waren - Aufhebung der Sanktionen bei Beibehaltung des Atomprogrammes, Bekämpfung des jüdischen Staates und dergleichen. Das sind nur Beispiele.

Dennoch bleibe ich beim Prinzip Hoffnung. Optimismus ist alles. Schaden kann es ganz bestimmt nicht. Allerdings warne ich mich selbst und andere davor, die natürliche und gesunde Erwartung auf eine bessere Zukunft mit Selbsttäuschung oder gar Illusionen zu verwechseln. Bis zum heutigen Tag gibt es keinen Anlass zu glauben, dass Rohani sein Land in eine neue Richtung führen will oder führen kann. Wenn sich daran etwas ändern soll, werde ich mit der erste sein, der darüber berichtet und mit Texten und Illustrationen auch zeigen werde. Ein persönliches Belegexemplar werde ich Rohani selbst überreichen. Hoffnungsvoll versprochen!

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