Islamistischer Traum ausgeträumt: Friedliche Machtübernahme durch Muslim Brotherhood ist endgültig gescheitert

Al Ahaly: Herrschaft durch Islamisten / ...wurde von den blöden Amis unterstützt / Akhbar El Yom: Morsi führte in den Abgrund / ...nun wird General Sisi gefeiert (Zeichnung: Mostafa Houssien)



Oft werde ich nach der Bedeutung der jüngsten Entwicklungen in meinem Geburtsland Ägypten gefragt. Häufig gestellte Fragen lauten: Ist die Revolution gescheitert? Hat die Demokratie noch eine Chance? Können weltlich-gesinnte Ägypter auf mehr Freiheit hoffen?



Diese und ähnliche Fragen verraten eine westliche Sichtweise, die gegenwärtig kaum eine Relevanz für die Verhältnisse in Ägypten sowie in weiten Teilen der arabischen Welt hat. Momentan geht es nicht darum, die Demokratie zu erhalten oder zu schützen. Momentan geht es eher darum, Gegner der Demokratie auszugrenzen, die auf scheinbar demokratischem Weg die Macht für eine begrenzte Zeit ausüben konnten.

Lassen Sie mich diesen Gedanken in vier Punkten präzisieren:

  • In Ägypten wurde der islamistische Präsident Muhamed Morsi zwar demokratisch gewählt. Sein ideologisches Ziel war es aber, von vorneherein die ersten Ansätze von demokratischen Verhältnissen praktisch abzuschaffen.
  • Unter Morsi hatten Frauen keine Gleichstellung in der Gesellschaft. Das ist höchst undemokratisch. Unter Morsi sollten die Opposition und die Minderheiten keine Chance bekommen oder gar unterdrückt werden. Das ist ebenfalls undemokratisch.
  • Die Armee, die nun die Macht übernommen hat, kann und wird keine Demokratie einführen. Ihre selbstgestellte Aufgabe ist es, das Land vor Chaos und Bürgerkrieg zu bewahren. Das ist allerdings die erste Priorität auch im Sinne derjenigen, die irgendwann in ferner Zukunft auf demokratische Verhältnisse hoffen.
  • Eine minimale, gewisse Stabilität ist für Ägypten Lebenselixier. Ohne sie kann das Land nicht die Hilfe bekommen, die es für die Ernährung seiner Bevölkerung dringend braucht. Demokratie ist zur Zeit nicht auf der Tagesordnung. Sie muss dem schlichten Überleben weichen.

Die oben genannten Punkte sind der Führung der Muslim Brotherhood wohl bekannt. Für die islamistische Organisation bedeuten sie eine bittere Erkenntnis: gescheitert ist der Versuch, mit demokratischen Mitteln die Gesellschaft so umzukrempeln und zu verändern, dass sie die Sharia als Lebensgrundlage scheinbar "freiwillig" akzeptiert. Die Konsequenz ist nun, die gleiche Zielsetzung mit anderen Mitteln zu verfolgen. Vor diesem Hintergrund tobt bereits der Bürgerkrieg, der allerdings bisher weitgehend auf der Halbinsel Sinai ausgetragen wird.

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