Beruf, Berufung & hartes Geschäft: Axel Springer Verlag sieht nur noch Schwarz; hier aber bleiben Sie am journalistischen Ball!

Axel Springer Verlag AD? Im Journalismus sieht Verlagschef Mathias Döpfner nur noch SCHWARZ



Seit zwei Tagen schreiben meine deutsche Kollegen fast nur noch über sich selbst. Sind die Printmedien noch überlebensfähig? Ist die vom Axel Springer Verlag so vehement propagierte (und teilweise errichtete) Paywall endgültig gescheitert? Was bedeutet die viel zitierte Digitale Kompetenz für die Zukunft der Branche? Hat der Beruf Journalismus noch Aussicht? Kann man davon leben?



Die Diskussion wurde durch die Entscheidung des größten Zeitungsverlages Deutschlands ausgelöst, sich praktisch von seiner traditionellen, verlegerischen Rolle weitgehend zu verabschieden. Das ist zweifelsohne ein dramatischer Schritt. Die neue verlegerische Vision scheint zu sein, nur noch wenige oder gar keine Zeitungen mehr herauszubringen. Das Geschäft ist wohl zu hart und verspricht keine hohe Rendite für die Aktionäre. Trennung ist angesagt.

Bei dieser Debatte wird oft die Marktposition erwähnt, die dem bisherigen Axel Springer Verlag zugeschrieben wird. Der Eindruck entsteht, als ob das traditionsreiche Verlagshaus bedrängt wurde, da es zu stark und zu dominierend sein soll. Diesen angeblichen Zwang zur Trennung von vielen Zeitungen und Zeitschriften hat es aber meines Wissens nicht gegeben. Was Axel Springer Verlag macht ist schlicht und einfach Outsourcing bzw. Gewinnmaximierung durch Trennung von manchen Sparten. Es sei ihm gegönnt!

Als ein Gast in diesem Land sehe ich die Chance, die daraus für uns Journalisten entsteht. Wenn Axel Springer in einen digitalen Markplatz wie eBay verwandelt wird, können die Kollegen der schreibenden Zunft neue Räume für sich erobern. Mein Rat an meine Freunde und Konkurrenten lautet: denken Sie nicht an Marktstellung. Denken Sie nicht an Verdrängungswettbewerb. Denken Sie nicht (nur) an feste Einstellung oder (alternativ) an den Status eines festen-freien Mitarbeiters. Denken Sie nicht an den bequemen und altmodischen Gehaltsempfänger, der wie ein Staatsbediensteter seinen Job für so und soviel Geld täglich verrichtet.

Denken Sie nur noch an den neugierigen Leser, der den rasanten Wandel der Medienwelt auf seine Art und Weise absolviert. Dieser Leser ist oft verzweifelt. Die tägliche Flut von Nachrichten verunsichert ihn. Er sucht eine prägnante und intelligente Ausrichtung. Er will klare und solide Orientierung, die allerdings keine Bevormundung sein darf. Er braucht Hilfe, um sich zurecht zu finden. Und er wird es nicht versäumen, den kompetenten Journalisten zu belohnen, den er vefolgt und schätzt.

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