Islamistische Republik am Suez Canal? Der eigentliche Machtkampt in Ägypten findet auf dem Sinai statt

Al Ahaly: die Uhr für Islamisten tickt / ...Morsi wird eingesperrt / Al Masry Alyoum: ...da er Gewalt koordiniert / Ahram: Morsi verliert diplomatischen Pass / Amerikaner haben wie hier Muslim Brotherhood unterstützt; nun kommen sie zur Vernunft



Die Welt schaut immer wieder auf den Tahrir Square in Cairo, um die Situation in Ägypten zu verfolgen und zu verstehen. Doch das dramatische Geschehen der letzten Tage und Wochen ist mit den Bildern und Berichten vom Zentrum der Hauptstadt nicht zu erklären. Die entscheidenden Entwicklungen, die zur Absetzung des islamistischen Präsidenten Muhamed Morsi führten, haben sich weit weg vom Nil zugetragen. Die Veranstaltungen auf dem Tahrir Square waren eher eine Fassade, die weitgehend vom ägyptischen Militär aufgestellt wurde, um den Westen von der Richtigkeit der jüngsten Revolution zu überzeugen.



Die wichtige Konfrontation um die Machterhaltung der Islamisten findet auf der Halbinsel Sinai statt - und das seit über zwei Jahren. Dieses riesige Gebiet grenzt an den Suez Canal im Westen und an den Gazastreifen im Osten. Dort hat die Zentralmacht Ägyptens die Kontrolle schon längst verloren. Sinai befindet sich weitgehend in der Gewalt von bewaffneten, radikalen Gruppen, zu denen auch weltbekannte, steckbrieflich gesuchte Terroristen gehören.

Einer davon ist der Ägypter Dr. Ramzi Mowafi, der als persönlicher Arzt von Bin Laden diente. Dr. Mowafi gilt als Experte im Umgang mit chemischen Waffen. Heute ist er die wohl mächtigste Person, die die Aktivitäten der Islamisten im Sinai leitet und koordiniert. Diese bestehen überwiegend darin, die wichtigsten Verkehrswege in der Wüste zu kontrollieren und je nach Bedarf zu blockieren. An vielen Stellen behindern die bewaffneten Verbände die Bewegungsfreiheit der ägyptischen Armee.

Die militärische Fürung in Cairo hat neulich den Amerikanern Beweise dafür vorgelegt, dass sich die Islamisten im Sinai große Depots mit Waffen und Munition angelegt haben - darunter auch chemische Substanzen, die zur Herstellung von Waffen dienen können. Die militärische Ausrüstung kam überwiegend durch die Vermittlung von Aktivisten der Muslim Brotherhood in Libyen zustande. Sie stammt zum großen Teil aus Beständen, die Engländer und Franzosen nach der Beseitigung des Regime von Muammar Gaddafi zurückgelassen haben.

Aus der Sicht der ägyptischen Armee war die Lage im Sinai nicht mehr zu tolerieren. Die Generäle in Cairo mussten davon ausgehen, dass der abgesetzte Präsident Morsi die bewaffneten Gruppen im Sinai stillschweigend unterstützt und ihnen viel Raum gibt, sich an mehreren illegalen Aktivitäten zu beteiligen. Genannt werden unter anderem: Zusammenarbeit mit Banden, die Flüchtlinge aus dem Sudan durch die Wüste transportieren; Handel mit menschlichen Organen; Erpressung von Schutzgeldern sowie einer Art "Zoll" und noch vieles mehr.

Am schlimmsten waren aus der Sicht des Militärs die häufigen Attacken gegen ägyptische Soldaten. Mehrere Stellungen der ägyptischen Armee wurden angegriffen. Es gab viele Tote und Verletzte (wobei die westlichen Medien nur teilweise darüber informiert wurden). Zur Zeit läuft im Sinai eine große militärische Operation, um die Kontrolle von den Islamisten wieder zurückzugewinnen. Die USA sind insofern involviert, da amerikanische Soldaten im Wüstengebiet seit dem Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel stationiert sind.

Präsident Barack Obama hat zwar Bedenken gegen die Absetzung von Morsi geäussert; doch Fakt ist, dass Washington seine massive Hilfe für die ägyptische Armee fortsetzt. Hauptgrund dafür ist die begründete Sorge, dass die Islamisten ihre Macht im Sinai zementieren und von dort aus Ägypten und andere Teile der Region destabilisieren. Obama ist zurecht beunruhigt, dass sich Sinai - wie zuvor Afghanisten - zur Basis von Al Kaida entwickelt. Das will er nun in Abstimmung mit der militärischen Führung in Cairo verhindern.

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