Und nun auch Jordanien? Der haschemitische König kommt stärker unter Druck

Osama in Alarab Alyawm, Amman: gemeinsames Schicksal / wer wird der Nächste? / Nasser Al-Jaafari in Al Ghad: Ägypten blutet / Militär handelt / Islamisten geben nicht auf / Hajjaj in Al Rai: Wippe am Nil / Nachdenken über Arabien



Es sind einige Jahre her, seitdem ich den Palast von König Abdullah II in Amman besuchte. Ich kann nicht behaupten, dass ich heute morgen da war. Es wäre einfach geschwindelt. Doch ich kann mit Fug und Recht sagen, das ich den heutigen Zustand des jordanischen Monarchen kenne. Der Mann zittert vor Angst. Er muss befürchten, dass sein Reich zusammenbricht.



Die allerletzte Hiobsbotschaft kommt aus dem Sinai. Dort haben islamistische Terroristen die Gas-Pipeline nach Jordanien in die Luft gesprengt. Das ist eine klare Warnung sowohl an Cairo als auch an Amman. Die Halbinsel Sinai wird weitgehend von Verbündeten der Muslim Brotherhood kontrolliert. Dort stehen über 10,000 Aktivisten Gewehr bei Fuss, um die Zentralmacht Ägyptens zu bekämpfen. Sie haben Querverbindung nach Jordanien, das eine starke islamistische Opposition aufweist und dem haschemitischen König aus dem Hijaz immer wieder Paroli bietet. Die Lage ist explosiv. Der königliche Stuhl ist gefährdet.

Folgerichtig ist die Aufmerksamkeit, die jordanische Medien der Situation in Ägypten widmen. Oben sehen Sie einige künstlerische Beispiele. Der dramatische Abgang von Mohamed Morsi und der aktuelle Machtkampf am Nil bedeutet für Jordanien a) dass die Straße sehr wohl den Fall eines Herrschers erzwingen kann, und b) dass die Islamisten keineswegs bereit sind, sich mit ihrer anfänglichen Niederlage abzufinden. Gleich zwei starke, warnende Signale, die Abdullah ganz bestimmt sehr ernst nimmt.

Die Umwälzungen in Arabien haben erst begonnen. Mehrere arabische Nationalstaaten, die in europäischen Hauptstädten entworfen wurden, werden mittelfristig teils oder ganz aufgelöst. Das erlebt man bereits im Irak, in Libyen und zunehmend in Syrien. Jordanien kann sich ebenso anstecken, da die Autorität der haschemitischen, importierten Monrachie schon immer umstritten war. Die Mehrheit der Palästinenser im Lande - immerhin 80 Prozent der Bevölkerung - steht vor einer permanenten Versuchung, den König abzusetzen und Jordanien zum Staat Palästina zu machen. Ganz natürlich und im Einklang der geografischen und demografischen Situation.

Der König hat bisher jongliert und durch massive westliche Unterstützung die Krone behalten können. Zur Zeit schützen ihn übrigens amerikanische Truppen, die nach gemeinsamen Militärmaneuvern im Lande geblieben sind. Doch die Realitäten in der Region sind stärker als jegliche Hilfe, die von Aussen kommen mag oder auch nicht. Der König kann gezwungen sein, die Flucht nach Vorne zu ergreifen und seinem Staat einen Charakter zu verpassen, der die palästinensische Identität stärker betont und den Einfluss der islamistischen Kräfte zunehmend berücksichtigt.

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