Vom Nil zum Bosporus; der regionale Verlierer heißt Recep Erdogan

Stravo in Al Balad, Libanon: Ägypten aktuell / Haber Ekspres, Istanbul: Chaos & Tote / Osman Turhan in Zaman: neuer Herrscher übernimmt / Cem Kiziltug: Soziale Netzwerke als Feind der Türkei / Al Ahram, Cairo: ...die nun so angesteckt wird



Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan ist der große regionale Verlierer der jüngsten Entwicklung am Nil. Erdogan hat darauf gesetzt, dass die Islamisten der Bewegung Muslim Brotherhood ihre Macht in Ägypten konsolidieren. Er hoffte ferner, dass vom bevölkerungsreichsten arabischen Land der politische Islam die Führung auch in anderen Ländern übernimmt. Und er hat davon geträumt, schließlich an der Spitze dieser Wiederbelebung eines mächtigen islamistischen Reiches zu stehen.



Ganz unrealistisch waren die Entwürfe von Recep Erdogan nicht. Die Türkei ist letztlich das stärkste muslimische Land. Ihre geografische Lage gibt ihr eine strategische Schlüsselposition. Sie hat sehr viele Wasserquellen und manche andere Bodenschätze. Sie verfügt über eine lange Geschichte und Tradition als Ordnungsmacht, die über Jahrhunderte weite Teile der Region beherrschte. Schließlich wurde der Einflussbereich der Türkei in den letzten Jahren erheblich dadurch erweitert, dass sie Zentrum von mehreren türkischsprechenden Völkern in der ehemaligen Sowjetunion geworden ist. Sehr viel spricht also für Erdogan als die Hauptfigur in einem neuem, modernen Kalifat.

Doch schon unter der Präsidentschaft des Islamisten Mohamed Morsi musste Erdogan viele Abstriche machen. Ägypten ist eine stolze Nation. Morsi wollte die Führungsansprüche des türkischen Ministerpräsidenten nicht unbedingt akzeptieren. Es zeigte sich immer wieder, dass die Bevormundung aus Ankara nicht willkommen ist. Unter den neuen Machthabern in Cairo steht fest, dass Erdogan eine noch deutlichere Absage erteilt wird. Die Generäle am Nil sehen in ihm keinen Verbündeten. Ihre bevorzugten Freunde in der Türkei kommen ebenfalls vom Militär und möchten eher den früheren, laizistischen Charakter ihres Landes betonen.

Entsprechend hat Recep Erdogan die Machtübernahme durch die Armee in Ägypten scharf kritisiert. Ihn plagt die Sorge, dass das ägyptische Szenario Schule macht und weitere islamistische Führer ähnlich abgesetzt werden - er selbst inbegriffen. Zudem sieht Erdogan mit Argwohn, dass der syrische Präsident Bashar Assad durch das Geschehen am Nil gestärkt wird. Denn Assad betonte wiederholt, dass er im eigenen Land an der fordersten Front gegen Islamisten der Muslim Brotherhood steht. Nun fühlt sich Assad als Gewinner und bekommt Rückenwind für seine (bisher ziemlich erfolgreiche) militärische Offensive gegen die Rebellen.

Lesen Sie bitte auch diese Beiträge:

Die Türkei am Scheideweg; Erdogan setzt seine Wasserkanonen-Politik fort

Zunächst Tunesien, nun Algerien: der Maghreb in Flammen

_________________________________

You are welcome to follow and comment on Facebook & Twitter

Anmelden