Abberufung oder Rücktritt – Morsi stürzt; die ersten Bilder & Zeichnungen vom Abgang des islamistischen Präsidenten

Al Osboa: Morsi flieht vor Verantwortung für Tod & Chaos / Al Dostor: er hört nicht / er denkt er wäre ein Pharao / Al Ahram: sein Tag ist gekommen / ...so will es das Volk / Watani, koptische Zeitung: Ägyptens Christen legen Fesseln ab / Süddeutsche Zeitung: Eskalation / Die Welt: Absturz



In meiner Geburtsstadt Cairo wird heute Geschichte geschrieben. Der erste islamistische Präsident des Landes muss gehen. Er kann nur noch zwischen Abberufung oder Rücktritt wählen. Gegen das rebellierende Volk - gestützt vom mächtigen Militär - hat er keinerlei Chance. Ich zeige Ihnen bereits jetzt die ersten Bilder vom erzwungenen Abgang des Mohamed Morsi.



Es gibt keinen Grund zum Feiern. Es ist keine schöne Stunde für Ägypten. Das Land steht ziemlich am Abgrund. Es gibt keine echten Bemühungen, die Grundprobleme anzugehen, geschweige denn zu lösen. Dafür fehlen die Konzepte. Dafür sind die politischen Verhältnisse viel zu kompliziert. Dafür steht niemand ernsthaft ein, denn es würde für alle eine lange und schwierige Durststrecke bedeuten, die keiner in Kauf nehmen will.

Momentan steht nur das Militär als eine Kraft zur Verfügung, die das Land einigermassen stabilisieren könnte. Das Militär beherrscht nicht nur die größte Armee der Region. Es beherrscht fast alle staatlichen Betriebe und weite Teile der Infrastruktur. Dem Militär ist nicht mal die an sich sehr starke islamistische Partei (oder  Bewegung) Muslim Brotherhood gewachsen.

Von dieser Muslim Brotherhood kann ich persönlich ein Lied singen. In meiner Kindheit in Cairo wurde ich immer wieder gewarnt, bevor ich auf die Straße ging. Denn die Situation war für uns gefährlich. Die Islamisten haben Juden gerne angegriffen und zusammengeschlagen. Wir mussten aufpassen. Am Ende haben sich die Islamisten in dieser Hinsicht voll durchgesetzt.

Eine jüdischen Gemeinschaft gibt es in Ägpyten (und praktisch in der ganzen arabischen Welt) nicht mehr. Die ältesten jüdischen Gemeinden der Welt - etwa in Alexandrien, in Mesopotamien, in Syrien, in Jemen - wurden zerstört. Die Juden wurden brutal und fast vollständig vertrieben. Mit ihnen verschwand eine Volksgruppe, die zur Reform und Gesundung des Landes sehr viel hätte beitragen können. Das ist bedauerlich aber nicht mehr zu ändern.

Allerdings gäbe es noch die Möglichkeit, dass Ägypten und andere arabische Länder eine Brücke zu ihren ehemaligen Bürgern jüdischen Glaubens bauen. Es wäre ein wichtiger Impuls zur Versöhnung und könnte beim bitter nötigen Wiederaufbau hilfreich sein.

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