Bürgerkrieg bald auch in meiner alten Heimat Ägypten? Cairo droht zu explodieren

Al Ahram: auf wenn hört Morsi? er spaltet nur! / seine TV-Ansprache lächerlich... das Volk rebelliert / Al Masry Alyoum: Morsi als Handlanger Obamas / sein boot  geht unter  / Al Mesryoon: Morsi kämpft / ...doch seine Werte sinken / ...der Zähltag kommt!



Wenn es so einfach wäre, würde ich Ihnen zur Lage in meiner alten Heimat Ägypten eine schnelle und verständliche Analyse liefern. Sie würde wie üblich lauten: weltliche Ägpyter sind von der Revolution tief enttäuscht. Sie kämpfen gegen den islamistischen Präsidenten Mohamed Morsi und wollen ihn unbedingt stürzen. Eine zweite oder gar dritte Runde der Revolution ist im Gange. Fertig.



Doch die Lage ist viel komplizierter, als sie mit diesen wenigen Sätzen zum Ausdruck kommt. Die Beschreibung oben ist lediglich das, was für ein westliches Publikum relativ leicht vermittelt werden kann. Eine vereinfachte Zusammenfassung von dem Tahrir Square in Cairo plus zwei oder drei Bilder von Alexandrien und Suez. Hinzu kommt vielleicht noch eine kleine Dokumentation über die (erschwerte) Arbeit von Stiftungen und Organisationen, die in Ägypten mit Ach und Krach versuchen, Werte der Toleranz und der Freiheit zu verbreiten. Damit wäre das Thema abgehackt.

Doch Ägypten besteht nicht nur aus den Orten und Plätzen, die wir auf unseren Bildschirmen fast täglich sehen. Ägypten ist riesig. Die Delta-Region, die Wüste, Oberägypten, Sinai und viel mehr. Es gibt etwa 85 Millionen Menschen, von denen sich die Mehrheit kaum ernähren kann. Die wirtschaftliche Situation ist katastrophal und wird von Tag zu Tag schwieriger. Gegensätzte, Fronten und auch richtige, gewaltsame Kämpfe drehen sich um viele Themen, die uns im Westen meist verborgen bleiben.

In weiten Teilen Ägpytens hat die Zentralmacht ihre Autorität schon längst verloren. Einige Gouverneure versuchen, sich unabhängig zu machen und die Kontrolle über wichtige Ressourcen zu übernehmen. Bewaffnete Milizen kämpfen gegeneinander, weil keiner in der Lage ist, sie zu beseitigen und zu entwaffnen. Der tiefe Graben zwischen Islamisten und Liberalen ist keineswegs der einzige, der zur Zeit das Land am Nil spaltet.

- Der Präsident und seine noch verbliebenen Anhänger müssen sich teilweise gegen die Kraft behaupten, die sie an die Macht gebracht hat. Die Führung der Muslim Brotherhood fühlt sich von Morsi verprellt, weil der Präsident nicht immer die Befehle der Partei befolgt.

- Ein Richtungskampf zwischen rivalisierenden Islamisten findet in mehreren Städten und Regionen statt. Es geht oft um Auslegung der Gesetze der Sharia. Doch es geht auch um die Versuche von einzelnen Personen, die Macht an sich zu reißen. Al Kaida Aktivisten mischen oft mit, und zwar nicht nur im Sinai, wo sie bereits in manchen Landstrichen das Sagen haben.

- Die religiöse Minderheit der Kopten bewaffnet sich zunehmend, weil der Staat nicht mehr willens oder nicht in der Lage ist, die Christen gegen Angriffe von fanatischen Muslimen zu schützen. Fast täglich gibt es Übergriffe, von denen allerdings nur selten berichtet wird.

- Die Armee intervenierte bisher nicht, weil sie auch unter der Präsidentschaft von Morsi ihre Privilegien behalten konnte. Doch die Generäle verlieren langsam ihre Geduld. Sie befürchten ein Chaos, das auch staatliche Unternehmen erfassen wird, die sie meist selbst beherrschen.

- Im Vergleich zu Syrien sind die Zustände in Ägypten momentan fast schlimmer. Die Armut ist viel mehr verbreitet. Die Versorgungslage ist noch schwieriger. Die politischen Strukturen sind weniger übersichtlich. Schließlich ist die Macht von Morsi unsicherer als die Autorität, die der syrische Präsident Bashar Assad innerhalb des geschlossenen Kreises seiner Loyalisten genießt.

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