Katar: der Westen soll in Syrien intervenieren; dafür winken gute Geschäfte!

Haggag in Al Arab, Doha: so wollen wir Assad sehen / Abdul Lateef in Al Raya: Assad (wörtlich: der Löwe) blutet / Al Watan: er soll endlich fallen / The Peninsula: ...doch die Amis müssen es richten / Al Sharq: ...wie Katar belehrt / ActuVoila: dafür winken gute Geschäfte!



Heute morgen konnte ich bei Al Jazeera beobachten und hören, wie Guido Westerwelle Akrobatik betreibt. Ich meine diplomatische und sprachliche Akrobatik. Der hilfslos wirkende deutsche Aussenminister hat zu erklären versucht, warum sein Land (und eigentlich der gesamte Westen) im syrischen Bürgerkrieg gleichzeitg intervenieren und nicht intervenieren will. Das kann natürlich nicht gut gehen! Und es lag diesmal nicht an mangelnden Sprachkenntnissen, dass Guido Westerwelle sich selbst in Widersprüchen verfangen hat.



Westerwelle sprach am Rande einer hochkarätigen Veranstaltung in Doha, der Hauptstadt des Emirat Katar. Dort treffen sich überwiegend Vertreter von sunnitisch dominierten, reichen arabischen Ölstaaten mit Vertretern von westlichen Staaten. Die Überschrift lautet "Freunde von Syrien". In Wahrheit handelt es sich um einen arabischen Versuch, den Westen für aktives militärisches Engagement in Syrien zu bewegen - und zwar zugunsten der Rebellen.

Dieser Ansatz ist von vorneherein falsch. Das wissen Westerwelle und seine Amtskollegen aus den USA, aus Frankreich, aus Italien und aus anderen NATO-Ländern sehr gut. Ihre verständliche und berechtigte Zurückhaltung beim Syrien Konlikt versuchen sie immer wieder damit zu begründen, dass "die Rebellen" eigentlich eine ziemlich unbekannte Größe sind. Unter ihnen befinden sich auch viele Fanatiker, die den Westen hassen und gegen ihn gerne vorgehen wollen.

Die arabische Forderung nach westlicher Intervention ist wie gesagt der falsche Weg. Das wissen die Araber selbst. Doch sie haben keinen Mut und keinen echten Willen, sich selbst so einzumischen, wie es die Lage nach ihrer Überzeugung erfordert. Sie wollen schlicht und einfach keine Verantwortung übernehmen. Sie wollen kein Risiko eingehen. Sie hoffen und denken, dass der Westen für sie die undankbare Aufgabe übernimmt, die eigentlich ganz klar von ihnen hätte gelöst werden müssen.

Nun drängt sich die Frage auf, warum Westerwelle und seine Amtskollegen mitspielen. Warum sagen sie nicht klipp und klar, dass eine westliche Intervention nicht angebracht ist. Warum betonen sie nicht, dass die Araber sehr wohl in der Lage sind, das Kriegsgeschehen zu Gunsten der von ihnen favorisierten Seite zu entscheiden. Es wäre doch einleuchtend. Westerwellt hätte das sehr gut erläutern können. Er bräuchte nicht mal auf meine Hilfe zurückzugreifen - weder inhaltlich noch sprachlich.

Hier kommt das liebe Geld zum tragen. Die Vertreter der westlichen Staaten hoffen und erwarten, dass sie von den reichen Golfmonarchien dicke Aufträge bekommen. Sie hoffen darüberhinaus, dass die sunnitischen Machthaber noch mehr als bisher im Westen investieren. Ein sichtlicher Ausdruck für diesen Wunsch ist der jetzige Besuch des französischen Präsidenten Francois Holland in Katar. Er ist mit einer großen Wirtschaftsdelegation angereist. Er wird ganz bestimmt bereit sein, mehr Engagement in Syrien zu versprechen, um die dringend benötigte Abwicklung von guten Geschäften zu begünstigen.

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