Erst Jerusalem, nun Berlin: Kapitel II der neuen Charme Offensive von Barack Obama erfolgreich abgeschlossen

Spiegel: alles in Butter / Haitzinger in TZ: ...was Deutschen gefällt und Merkel hilft / Kianuoush Ramezani: die Türkei driftet ab / Luo Jie in China Daily: Schatten Abhöraffäre überwinden / ...Scherbenhaufen Aussenpolitik hinter sich lassen



Die gestrige Rede von Barack Obama am Brandenburger Tor war Teil einer Charme Offensive, die er zuvor bei der Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel startete. Der US Präsident wurde über die Empfindlichkeiten und Erwartungen seiner deutschen Zuhörer gut informiert. Er versuchte diese direkt und ehrlich anzusprechen. Auch ohne dramatische Höhepunkte ist es ihm weitgehend gelungen, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Das braucht Obama dringend in einer neuen Weltkonstellation, in der die Hoffnungen enttäuscht und die Pläne scheitern, die er mit seiner ersten Amtszeit verbunden und angestoßen hatte.



Die Rede, die Barack Obama in Jerusalem vor knnap zwei Monaten gehalten hat, war Teil einer Charme Offensive, die er zuvor bei der Ankunft am Ben Gurion Airport sowie beim Smalltalk mit Premier Benjamin Netanyahu startete. Der US Präsident wurde über die Empfindlichkeiten und Erwartungen seiner israelischen Zuhörer gut informiert. Er versuchte diese direkt und ehrlich anzusprechen. Ohne dramatische Höhepunkte ist es ihm weitgehend auch hier gelungen, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Das braucht Obama dringend in einer neuen Weltkonstellation, in der die Hoffnungen enttäuscht und die Pläne scheitern, die er mit seiner ersten Amtszeit verbunden und angestoßen hatte.

Die Parallelen sind frappierend und umfassen sogar Umstände wie die zufällige Hitzewelle, die sowohl Jerusalem als auch Berlin zum jeweiligen Obama-Besuch heimsuchte. In beiden Fällen hat der US Präsident identisch reagiert. Er hat als erster und betont als Ehrengast sein Jacket ausgezogen und forderte die Gastgeber auf, das Gleiche zu tun. Die Bemerkung dazu wurde fast mit denselben Worten formuliert, etwa so: Unter Freunden brauchen wir ja nicht so formell zu sein.

Diese Charme Offensive passt in jeder Hinsicht gut. Von der Persönlichkeit des US Präsidenten und von seinem Stil her ganz gewiss. Obama besitzt nun mal Charme und Charisma, die ihresgleichen suchen. Das erklärt zum großen Teil seinen rasanten Aufstieg in der eigenen Heimat. Doch darüber hinaus ist die aktuelle Charme Offensive eine politische Notwendigkeit, die Barack Obama zunächst in Jerusalem und nun in Berlin so deutlich zum Ausdruck gebracht hat.

Beide Besuche und beide großen Reden signalisieren die zwingend erforderliche Rückkehr der USA in die alten Freundschaften, die sich über Jahrzehnte gut bewährt haben. Sie sind zugleich ein Eingeständnis, dass manche Initiativen der ersten Amtszeit nicht gerade von Erfolg gekrönt waren. Sein dramatischer Appell an die arabische und muslimische Welt bei dieser Rede in Cairo wurde praktisch nicht gehört. Im Orient ist der islamistische Extremismus auf dem Vormarsch. Das letzte, traurige Beispiel ist die Türkei, die unter Recep Erdogan zwar langsam doch kontinuierlich abdriftet.

China steigt rapide zum Status einer Supermacht auf, die die amerikanische Hegemonie in Frage stellt. Die Machthaber aus dem Reich der Mitte werden immer härter und bestimmter in ihrem Umgang mit Washington. Das gilt auch für Russland, das neue weltpolitische Ambitionen entwickelt und mittlerweile seine Macht weit über die eigenen Grenzen hinaus ausstrahlt - siehe Syrien. Gescheitert ist der Versuch von Obama, Harmonie mit Staaten, Gesellschaften und Systemen zu schaffen, die die Welt ganz anders sehen als wir im Westen.

Obama sieht sich gezwunden, die Allianzen mit Staaten wieder zu befestigen, die gemeinsame Werte teilen. Obama braucht Israel an seiner Seite. Obama braucht Deutschland verstärkt und entschiedener als bisher an seiner Seite. Bei den alten Freunden kann Obama gewiss neue Kräfte schöpfen.

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