Die Türkei am Scheideweg; Erdogan setzt seine Wasserkanonen-Politik fort

Die Welt: Toleranz ist nicht seine Sache / TAZ: ...Dialog schon gar nicht / MOPO: Krieg in Istanbul / Hurriyet: Polizeieinsatz / ...belebt Nachfrage für Schlagstöcke / Dagistan Cetinkaya in Zaman: Demonstranten werden angeblich aufgehetzt / Osman Turhan: ...und von Aussen gesteuert / Doris in Europe News: Intergration à la Erdogan



Die Türkei erlebt eine tiefe Krise, die vermutlich noch viele Jahre andauern wird. Wie schon oft in der Geschichte sucht das Land zwischen den Kontinenten und Kulturen seine Orientierung. Diese erneute Suche geschieht unter besonders schwierigen Umständen. Einerseits droht der militante Islamismus - der auch in der Türkei mächtige Anhänger hat - das Land in Rückstand und Chaos zurückzuwerfen; andererseits versuchen weltliche Türken, rechtzeitig noch umzusteuern und ihr Land vor dem sich abzeichnenden Verfall zu retten.



Ministerpräsident Recep Erdogan galt zunächst als ein Politiker, der für eine "weiche" Auslegung des Islamismus steht. Mit seinem Aufstieg haben viele Türken die Hoffnung verbunden, dass er die religiösen Fanatiker diszipliniert bzw. miteinbezieht und die Türkei doch noch als eine Republik mit laizistischem Charakter verteidigt. Doch diese Hoffnung ist schon längst verflogen. Durch viele Äusserungen und Handlungen hat Erdogan in den letzten Jahren demonstriert, dass er selber ein Islamist ist, der für sein Land eine neue Identität anstrebt.

Nun geht Erdogan gezielt dazu über, die Akte Türkei und Islamismus in seinem Sinne ohne Wenn und Aber zu bearbeiten. Mit Polizeistöcken und Wasserwerfern zerschlägt er die restlichen optimistischen Vorstellungen, die mit seiner Machtausübung noch vorhanden waren. Er will seinem autoritären Stil Legitimität und Akzeptanz verschaffen. Und er macht keinen Hehl daraus, dass er für die Türkei einen neuen Weg sucht, der immer weiter von westlichen Werten entfernt ist.

Es ist nicht möglich und schon gar nicht wirksam, von aussen Ratschläge zu geben. Europäer oder Amerikaner, die belehrend auftreten, verstärken nur Recep Erdogan und die hinter ihm stehenden islamistischen Kräfte. Diese verweisen auf die alte Konfrontation mit christlich geprägten Gesellschaften und bekommen dadurch noch mehr Zulauf und Unterstützung. Den Kampf um die Seele der Türkei können nur Türken führen, die vor Ort die Konsequenzen der Umgestaltung à la Erdogan tagtäglich ertragen müssen. In den letzten zwei Wochen haben diese Türken bereits gezeigt, dass sie fest entschlossen sind, sich mutig für ihr Land zu engagieren.

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