Blauhelme aus Österreich ziehen von den Golanhöhen ab; diese Sachertorte schmeckt nach Flucht

Wiener Zeitung: Blauhelme  / ...beim Auslandseinsatz / Thomas Wizany in Salzburger Nachrichten: ...am Golan / Anton Stefanov in Lokales Heute: Soldaten fliehen / OÖNachrichten: Go!!! / Wikipedia: Sachertorte und ihr Erfinder / Pammesberger in Kurier, Wien: Sicherheit geht vor



Gleich vorweg will ich zu Protokoll geben: an sich mag ich Österreich. Seit vielen Jahren habe ich in Wien, Salzburg, Innsbruck oder anderswo im Lande der Berge angenehme Erfahrungen gemacht. Die Innenstadt von Wien gefällt mir besonders - man kommt ganz schnell von A nach B und kann fast alles zu Fuß unternehmen. Oper, Ballett und Musik sind Weltspitze. Von der Sachertorte ganz zu schweigen. Dem Original im Hotel Sacher kann niemand das Wasser reichen.



Doch heute muss ich abweichend Österreich auf das Schärfste kritisieren. Die Führung der Alpenrepublik hat sich entschieden, ihre UNO-Soldaten von den Golan-Höhen "so rasch wie möglich" abzuziehen. Natürlich geordnet, wie der Bundeskanzler sowie gleich mehrere Minister verkünden. Doch das ist lediglich eine Höflichkeitsfloskel um die Wahrheit zu vertuschen. Die bittere Wahrheit ist, dass die Blauhelme aus Österreich - wie bereits ihre Kollegen aus den Philippinen und anderen Ländern - schlicht und einfach die Flucht ergreifen.

Eine kurze Erläuterung dazu ist vonnöten. Immerhin waren österreichische Soldaten 39 Jahre auf den Golan-Höhen im Dienst. Chapeau! Über diesen ganzen Zeitraum war die Grenze zwischen Israel und Syrien relativ ruhig und friedlich - fast wie nirgendwo sonst auf unserer turbulenten Welt. Die Dienstleister aus Österreich konnten bequem ihre Mission absolvieren. Und zwischendurch sogar eine Berglandschaft genießen, die so manche Ähnlichkeit zu ihrer Heimat aufweist - der vom Schnee bedeckte Mount Hermon inbegriffen.

Nun wird's aber ungemütlich auf dem Golan. Die Truppen von Präsident Bashar Assad bekämpfen die Rebellen, die sich teilweise mit Al Kaida identifizieren und dem Westen nicht gerade gewogen sind. Die erbitterte Schlacht hat sich bis hin zur Pufferzone zwischen Israel und Syrien ausgeweitet. Hin und wieder schlagen Raketen ein. Die UNO-Soldaten bekommen Detonationen zu spüren. Die Blauhelme befinden sich praktisch zwischen zwei Fronten von arabischen Streitkräften, die vor nichts zurückschrecken.

Man möchte annehmen, dass Soldaten für solche Situationen gerüstet und vorbereitet sind. Dafür haben sie doch eine aufwendige militärische Ausbildung absolviert. Sie werden ja eingesetzt, um zwischen Konfliktparteien zu stehen und sie notfalls zur Einhaltung von internationalen Regeln und Abmachungen anzuhalten. Doch was machen die Blauhelme, wenn die Situation kompliziert und brenzlig wird? Sie verlassen ihre Posten und gehen nach Hause. Basta.

"Das Leben unserer Soldaten steht an erster Stelle", sagt der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann. Aus seiner Sicht - die übrigens die gesamte europäische Sicht reflektiert - hat er ganz bestimmt Recht. Im Klartext bedeutet diese Haltung, dass UNO-Soldaten bzw. internationale Truppen keine Friedensregelungen im Nahem Osten garantieren können. Es bleibt nur noch zu hoffen, dass Österreich und seine Partner diese bittere Wahrheit deutlich und unmissverständlich auch nach Aussen aussprechen.

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